kränzten sich und ihre Becher, wie einst die Völker des Mittelmeeres es taten.(Marie Luise Gothein, Geschichte der Gartenkunst, 1914.)
DER BAROCKGARTEN
Der Barock und die Renaissance, frei von Romantik und sentimentaler Land-schaftsschwärmerei, standen der Natur gegenüber auf dem gesunden Stand-punkte eines rein menschlichen Egoismus. Sie kannten kein falsches Sichhin-geben an die Natur, sie dichteten derselben keine Seele, keine Stimmungenund geheimnisvollen Zauber an, in deren Bann das menschliche Moment passivwird, sondern sie zogen umgekehrt die Natur, soweit ihr Material verwendbarschien, an sich heran, machten sich dieselbe dienstbar, verwendeten sie zumUntergrund und Hintergrund ihrer Schöpfungen, in denen das Zeitgeprägesich deutlich verkündigen sollte.
Das alleinige Mittel, diejenige Kraft, durch welche der Mensch der Natur gegen-über in solcher positiver, aktiver Weise aufzutreten vermag, ist aber die Kunst,in allem ja sein eigenstes, auszeichnendstes Vermögen. Sobald er in einerspäteren Epoche sein Priorat vergaß und, anstatt das Gepräge des humanumallem anderen aufzudrücken, sich an vermeintliche höhere fremde Gewaltenhingab, sobald er in der Natur einen „Zauber" zu spüren glaubte, der ihn be-herrscht, da war auch schon seine Kraft diesem Faktor gegenüber erlahmt undseine Stellung zu ihr eine passive, woraus keine Taten entspringen können.Der Englische Garten, jene vermeintliche große Reform, welche auf den Kunst-garten der Renaissance und der Folgezeit gegen Ende des vorigen Saeculumsin die Welt kam, ist darum keine Tat, denn er imitiert bloß die wilde Natur, erentbehrt der eigentlichen schöpferischen Tätigkeit von Seite seiner Urheber,er macht dasjenige zur Aufgabe des Menschenwerkes, was in der freien Natursich schon vorfindet, besitzt also weder den Wert der Originalität noch das Ge-präge des Menschlichen, folglich ist er kein Kunstwerk.Die ältere Zeit hatte sich noch die männliche Kraft desjenigen gewahrt, waswir soeben einen gesunden Egoismus nannten, im Gegensatz zu der weibischen
Hingebung an erträumte mystische Gewalten unserer umgebenden Welt.-------
Wie man Berge, Wälder und Fluren für das Lebensbedürfnis, für Gewerbe,Handwerke und Fabrikationen aller Art nach ihren Stoffen ausbeutete, sokonnte man auch das Bild, die Erscheinung der Natur, gleichfalls nur brauchen,soweit dieselbe zu bezwingen war. Für den gesellschaftlichen Aufenthalt imFreien, bei Konversation, Spielen, Tänzen, Promenaden und Wagenfahrten,für die Jagd usw. war der Rahmen der Natur willkommen, aber die Naturmußte es sich dabei gefallen lassen, sich zu beugen. Sie wurde zum Schlosse,zum Palaste herbeigezogen, man ging nicht zu ihr hinaus in Wald und Felsge-klüft. --------Die Architektur war die Kraft, welche der „wilden" Natur das
Charakteristikon des Menschlichen, des Kunstwerkes, aufdrückte und ihreFormen in Einklang brachte mit dem übrigen Menschenwerke. Der Parkwurde daher eine Fortsetzung des Palazzo, ein geometrisch ornamentierterTeppich, der sich zu Füßen des Gebäudes hinbreitete, von demselben Geistebeherrscht, der dort in Linien und Formen ausgedrückt war. Die alte Garten-
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