dem allmächtigen Gotte, zum Ruhm der Vaterstadt, zur Benutzung für Freundeund Studierende der Botanik, endlich sich selbst zur Erholung, habe er diesenvon alters her verwahrlosten Garten auf eigene Kosten neu eingerichtet undmit einheimischen und ausländischen Pflanzen ausgestattet". Die erste derAbteilungen, zu der man durch das Haupttor gelangte, war der Blumengarten,der, in Rabatten ausgelegt, wohl mit Staketenzäunchen umgeben und mit denBlumen bepflanzt war, die zu Kränzen und Sträußen verwendet wurden.Dr. Scholz hat dafür Sorge getragen, daß wir die Pflanzen seines Gartens gutkennen, nicht nur er selbst war ein fruchtbarer medizinischer Schriftsteller, derimmer gerne von seinem eigenen Garten ausgeht, er ließ auch nach der Sitteder Zeit seine Pflanzen von einem Breslauer Maler der Natur getreu nach-bilden. Noch bilden den Hauptbestandteil des Blumengartens die alteinhei-mischen, die Frühlingsblumen Schneeglöckchen, Veilchen, Krokus und Pri-meln, Aurikeln und Kaiserkronen, der Sommerflor Akelei, Löwenmaul, Korn-blumen, Mohn und Lilien, aber seit fast dreißig Jahren sind dazu die Tulpen ausdem Osten gekommen, die auch unser Garten voll Stolz aufweist. Dem Arztund Botaniker wichtiger aber ist die zweite Abteilung, der eigentlich medi-zinische Garten. Hier werden 385 Sorten, unter ihnen auch viele ausländischePflanzen, die sich der Doktor durch seine weiten Verbindungen aus Spanien,Italien und Österreich verschafft hat, auf zierlichen Beeten gepflegt, auch hiergibt es für jede der Pflanzen ein besonderes. Neben den medizinischen Kräu-tern, wie wir sie aus dem Kapitulare und dem St. Gallener Klosterplan kennen,wachsen hier die Gewürzkräuter italienischer Gärten, wie Basilikum, Majoran,Melisse, Ysop, Rosmarin, Raute und Diptam. Dann aber blühen hier auchNeuheiten, die erst unlängst portugiesische Seefahrer aus Indien brachten, wieCanna und Balsamine, und vor allem das bisher noch unbekannte Kraut derKartoffel. Neben dem Blumengarten liegt das Viridarium, der Obstgarten, indem auch Ziersträucher, wie Goldregen, Schneeball und türkischer Flieder,blühen. Die letzte Abteilung enthält das Labyrinth, dessen verschlungene Wegemit Spalieren, von allerlei Schlingpflanzen überwachsen, eingefaßt sind, weiterden Rosengarten mit seinen neun, aus dem Orient eingeführten Sorten undverschiedene Weinlauben. Die Mitte der Quartiere schmücken Brunnen, dereine ist überschattet von einem Lebensbaume, dem größten und schönstenund auch ältesten, dessen sich Schlesien rühmt. Der Lebensbaum war unterFranz I. nach Paris aus Kanada eingeführt und hatte sich von dort sehr schnellin Europa verbreitet. Nach Westen war unser Garten durch ein Winterhausfür Lorbeer, Granate, Oleander und Myrthe abgeschlossen, dessen Wändeaugenscheinlich mit italienischen Szenen ausgemalt waren. Auch zwei Vogel-häuser und ein verzierter Eiskeller waren zu sehen, und in der Grotte wurdeunter anderem ein Polyphem, der den Felsblock schleudert, viel bewundert.In der Mitte des Gartens stand das Sommerhaus, das, nach vier Seiten offen, imInneren mit Bildern, Kunstwerken und Musikinstrumenten geschmückt, derheitersten Geselligkeit gewidmet war. Der weitgereiste, vornehme Arzt, derauch eine Kunstkammer ,,ausbündiger Raritäten" sein nannte, feierte hierFeste, die von antikem Geiste beseelt waren. Die Freunde und Freundinnen,die er zu heiterem Mahle, zu Gesang, Vorträgen und Gespräch versammelte, be-
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