Blumen leuchtet, bis wir an ein marmornes Tempelportal stoßen, dessen Giebel-feld halb eingerissen ist und das laut der Inschrift auf dem Friese HerodesAtticus dem Antonin errichtete. Ob dies eine wirkliche Ruine ist oder einekünstliche, darum kümmern wir uns nicht, genug, sie ist von schöner Wir-kung. Immer weiter streifend, befinden wir uns in einem lichten Pinien-walde und heben die Blicke zu den dunklen Kronen, welche die Dämmerungwie Schilde gegen den klaren Abendhimmel hält, Wasserstrahlen springen ausFelsentrümmern in der Mitte eines weiten Beckens und sinken in kristallenenKometenbahnen wieder zurück, links führt ein dunkler Weg zu einem schwar-zen stillen Weiher, den die dichten Bäume ganz verfinstern. So könnten wirnoch lange irren, aber die Sonne ist gesunken. — —
Ich bin fast geneigt, die Villen für das Schönste in Rom zu halten. Ich denkenoch mit Rührung eines Nachmittags, den ich in der Villa Albani zugebracht,wo einst Winckelmann gelebt. Es war die schönste Luft, das Abendlicht,weich und goldig, schien bis in meine Seele und färbte die Welt, die sich darinabspiegelte, mit den Tinten schwermütiger Wonne. Blau lagen die Gebirge inder Ferne, in tausend brennenden Herbstfarben lag der Blumengrund in derNähe. Zwei schöne Bauwerke liegen sich in der Villa Albani gegenüber, daseine ein Palast mit Bogen, Säulen, Söller und Dachgeländer, das andere imhalbkreisförmigen Bogengang, beide mit marmornen Kunstwerken gefüllt undeinem ebenen Gartenstück zugewandt, das mit Blumen und Springbrunnensie voneinander trennt.
Mit wie weichem Gefühl sah ich in Sälen und Nischen zu den weißen Götter-bildern empor 1 So ruhig, so reine Form, alles Maß und Klarheit. Und dannwieder vom Balkon ein Blick auf die gelbe Beleuchtung der blauen Berge, aufdie grünen Wände des Gartens. Mir gefiel, daß die zahlreichen und kostbarenKunstschätze nicht zu einem Museum geordnet sind, sondern wahrhaft denschönen Palast regieren, das glückliche Leben des Besitzers schmücken. Nochschöner ist das Hemicyclum gegenüber. So soll ein Tempel der Kunst sein.Durch volle Bogen wogt das Gold der Abendsonne hinein, die Blumen sendenihren Duft in den Säulengang marmorner Götter. Dort stehen sie in ihrenNischen. Du wandelst in einem Heiligtum, wo das trübe Schäumen deinerBrust sich läutert, sich beruhigt und trittst hinaus, kühl und klar, wie jeneHohen und Ewigen. (Viktor Hehn, Reisetagebuch, 1839/1840.)
VORNEHMER BÜRGERGARTEN IM XVI. JAHRHUNDERT
Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts gibt ein Breslauer Arzt, LaurentiusScholz, ein Bild von seinem Garten. Er hatte in Padua studiert, das er 1579verlassen hatte. Sechs Jahre später ließ er sich in seiner Vaterstadt nieder,hier wuchs mit seinem Vermögen auch die Freude an seinem Garten, dessenPflege er selbst als eine patriotische Tat ansah und der bald über Breslauhinaus Berühmtheit erlangte. Er war ein regelmäßiges Quadrat, das durch diebeiden sich kreuzenden Hauptalleen in vier Compartimenti geteilt war. DasHaupttor trug in Stein gemeißelt die lateinische Inschrift: „Zum Lob und Preis
ai Wolters, Der Deutsche. V, 2.