Teppich in seiner Kleinheit und bunten Fröhlichkeit vor den Blicken. Seltenwohl hat man direkt aus der Frauenwohnung in den Garten, in den manschaute, auch hineingehen können, meist war er für sich umhegt, aus demHause ging man durch ein ,,viel enges" Türlein hinein, ebenso häufig liegtder Garten auch neben dem Pallas, woher dann eine Stiege hinabführt, wie derGarten, in den Iwein herabsteigt. Auch auf dem schönen Bilde der CivitasDei liegt das Gärtlein mit Lilie und Brunnen umzäunt neben dem Bergfried.Diese Lage können wir auch ganz deutlich noch an mittelalterlichen fran-zösischen Schlössern nachweisen, und Boccaccio wie nach ihm Chaucer lassendie schöne Emely vor den Augen der Gefangenen im Bergfried unten imGarten lustwandeln. Allerdings fehlen uns für das frühe Mittelalter fast alleNachrichten und Bilder über die Bepflanzung der Schloßgärten, aber schonum das Jahr iooo spricht Notker von dem „bluomengarten, dar rosa und deringelen und violae wahsent". Neben dem Blumengarten wird früh von demBaumgarten gesprochen. Zuerst immer hören wir, daß der Garten voneiner Mauer umgeben ist. „Wann um den Bomgarten ein viel hohiu mure gat"oder „vor dem huse ein bomgarten lag, darumb gieng ein hoher Hag". DerBaumgarten, den Hartmann von der Aue im „Erec" schildert, hat zwarkeinen Zaun noch Wasser, nicht Mauer noch Graben, der ihn umgibt, aber erist ein Zaubergarten, ebenso wie der Rosengarten des Laurin, den statt derMauer nur eine seidene Schnur schützte, dies Zauberwesen aber zeigt erstrecht, wie gar notwendig die feste Mauer zum Schutze war. Der Baumgartenwar die eigentliche mittelalterliche „plaisance", der Lustgarten. In ersterLinie enthielt er fruchttragende Bäume, aber wie aus Karls des GroßenCapitulare hervorgeht und der Baumgarten-Friedhof in St. Gallen bestätigt,waren es durchaus nicht allein Fruchtbäume, die man pflanzte, sondern aucheine Menge reiner Schmuck- und Schattenbäume. Die im X. Jahrhundertentstandene lateinische Tierfabel, die „Ecbasis Captivi", schildert einen könig-lichen Garten, in dem eine Eiche inmitten von Kräutern und Blumen wuchs,unter ihrem Schatten empfängt sie den kranken König, ein lauterer klarerQuell durchrieselt den Garten. Im „Parzival" liegt ein Garten um den Schloß-berg, in dem außer edlen Blumen Feigenbäume, Granaten, Ölbäume und Wein-reben sich befanden. Und welche Rolle spielt in Deutschland besonders dieLinde! Sie steht nicht allein im Baumgarten, nein, häufig schmückt sie denBurghof mit einem Rasenplatz und einem Brunnen. Sie ist der eigentlicheBaum der Geselligkeit und steht auch auf dem freien Anger. Man zieht ihreÄste breit und stützt sie mit Säulen, darunter ist dann eine Bank angebracht,auch in den Zweigen oben baut man häufig noch Sitzbänke, oft wird auch derganze Baum mit einer ummauerten Schranke umgeben, wie eine noch erhal-tene Linde in Michelstadt.
Im Garten selbst saß man am allerliebsten auf Rasenbänken, die meist ringsan der Mauer entlang liefen und dann aus Ziegeln aufgemauert waren oderauch für sich gesondert lagen. Ebenso gern setzte man sich aber auch zu ge-selligen Spielen oder Gesprächen oder zum Kranzflechten auf den blumigenRasen, dort waren die Blumen dann nicht in Beeten gezogen, sondern wuchsenüberall im Rasen zerstreut. In späterer Zeit begnügte man sich nicht mehr mit
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