Nahrungssäfte bloß auf ihr Holz und nicht auf ihre Früchte zu verwendenhatten. Diese Regen, wenn ihrer viele fielen, erhoben die Kräfte der Gewächseungemein. — Nach diesen Regen hatten den zweiten Rang solche, welche nichtlange vor dem Knospen oder der Blühzeit fielen: denn dadurch wurde der Obst-baum in den Stand gesetzt, seine Knospen mit Kraft zu treiben und seineBlüten zu behalten. Für ganz besonders nötig hielt man solche Regen bei demWeinstock. — Den dritten Rang erhielten solche, welche gleich nach der Blüh-zeit sich ereigneten, weil dann der Baum Kräfte zum Ansatz seiner Früchteverlangte: traten sie nicht ein, so mußte nach ihrer Meinung der Baum viel vonseinen angesetzten jungen Früchten verlieren. — In den vierten Rang endlichwurden die gesetzt, welche gegen die Zeit der Reife fielen, und welche dahernur für die Größe und Schmackhaftigkeit der Früchte bestimmt zu sein
schienen.
Zu den schädlichen Regen zur ungelegenen Zeit rechneten sie aber nun auch:erstens alle diejenigen, welche, wo sie nicht Winterregen waren, zu lange an-hielten weil sie sowohl den Bäumen als auch den Früchten eine sehr lockereStruktur gaben, wodurch denn die Bäume schwächlich, die Früchte aber fadevon Geschmack wurden. Zweitens, alle Regen, welche in der Blühzeit fielen,da durch sie die Blüten vernichtet wurden und sich der Rost an sie ansetzte,wodurch sie zu ihrer weiteren Ausbildung untauglich wurden. Drittens end-lich jeden Regen, welcher von Süden kam, auch dieser, meinten sie nachTheophrast, bewirkte Schlaffheit der Fasern des Baumes und trage dazu bei,daß die Früchte schlecht würden. Sie zogen diesen bei weitem vor alle Regen,welche der Nordwind brachte. Diese stärkten nach ihrer Meinung die Ge-wächse da sie kalt waren und deshalb die Kräfte des Baums nicht auflösten,sondern in dem Baume mehr zusammendrängten. Sie waren überhaupt mehrmit Nahrungsstoff geschwängert. Auch selbst die Nordwinde wurden von ihnenfür besser als die Südwinde gehalten, besonders in Rücksicht auf die Reife derFrüchte- denn jene verhinderten durch ihre Kälte, daß die Sonnenstrahlendie Frucht nicht zu sehr zusammendörrten, sondern bewirkten immer ein all-mähliches langsames Reifen, welches dem Obste einen süßen Geschmack gebeund ihm seinen Saft lasse.
Übrigens bemerken aber doch die Alten noch, daß in betreff der glücklichenoder gelegenen und der ungelegenen Regengüsse sich nichts Sicheres bestimmenlasse. Einigen Bäumen, sagt zum Beispiel Theophrast, kämen sie gelegen zueben der Zeit, wo sie anderen schadeten. Die Ursache davon liege in der Ver-schiedenheit der Zeitpunkte ihres Blühens und Fruchttragens voneinander,da einige früh-, andere hingegen spättragende Bäume wären. So schade zumBeispiel ein Regen, der in der Blühzeit der Äpfel- und Birnbäume falle, ge-waltig, da eben derselbe hingegen die Fruchtbarkeit des Weinstockes auf eineerstaunliche Weise befördere. Es lasse sich also die Nützlichkeit oder Schäd-lichkeit derselben in den meisten Fällen nur beziehungsweise bestimmen.Gegen solche Ereignisse der Natur, sagt Theophrast, läßt sich nun nicht streiten,wir können weiter nichts tun, als der Natur nur folgen, sie auf ihrer vorteil-haften Seite benutzen und ihre schädlichen Einflüsse, so weit es nur möglichist, zu vermeiden suchen. Wir sehen hier aber nur zwei Wege vor uns, fährt er
295