Druckschrift 
5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

und gegen Mittag die erste Stelle einräumten. Jedoch sie verfuhren nochgenauer: jene Bestimmung betraf die Himmelsgegend, eine andere be-schäftigte sich eigentlich mit der Lage des Bodens.

Dieser war nun, nach ihnen, entweder bergig, und dahin schickten sich dennwilde Feigenbäume und Kirschen, oder er bestand aus Hügeln, welche immerabwechselten, und dieser schickte sich dann für den Weinstock, oder der Bodenwar in einer Ebene, und dieser war denn eigentlich für die so mancherlei an-deren Obstarten, als Pfirsichen, Pflaumen, Äpfel und Birnen, der schicklichste.Jede von diesen so sehr verschiedenen Lagen des Bodens enthielt nun wiederverschiedene Erdarten und war also in dieser Rücksicht wiederum geteilt.Die Erdarten waren: schwere, leichte, fette, magere, lockre, feste, sandigte,tonige, kiesige, Stein- und Kreidenerde. In dieser Hinsicht finden sich nunbei ihnen folgende Behauptungen: Nicht in allen diesen Erdarten komme derFruchtbaum fort, und es verlangten die Obstbäume alle einen Boden, der sichso ziemlich gleich bleibe, und sie liebten fast alle einen Boden von gleichem Ge-halte. Es werde nämlich erfordert, daß die Erdart, in welcher der Obstbaummit Gedeihen erwachsen sollte, aus fettem, schwerem, lockerm und etwas sandi-gen Boden so ziemlich zu gleichen Teilen gemischt sei, das heißt, sie dürfe vonkeinem zu viel haben: nicht zu fett, nicht zu schwer, nicht zu locker, nichtzu sandig. Fett müsse der Boden sein, um dem Gewächse, welches in dem-selben erwächst, Geschmeidigkeit mitzuteilen, schwer, damit Regen, Sonneund Wind ihn nicht so leicht vernichten könne, locker, damit der Regen in ihneinzudringen und durch seine Feuchtigkeiten die in ihm liegenden Nahrungs-stoffe aufzulösen vermöge, sandig oder steinig oder kiesig, damit die Feuchtig-keit des Bodens nirgends gestopft werde, sondern allerwärts frei und unge-hindert durchfließen könne. Am allermehrsten aber liebe der Weinstocksteinigen Boden, wie sie meinten.

Diese Erdarten hatten nun, nach der Behauptung der Alten, wieder verschiedeneSäfte, von denen einige einigen Gewächsen zukommen und sie wohl ernähren,andere aber wieder nicht. Der salzige, der bittere, der süße Boden war nichtfür alle Obstbäume. Birnen und süße Früchte durften nach ihrer Meinungnicht in süßem Boden, aber auch nicht in ganz bitterem oder salzigem gezogenwerden, sie verloren dann ihren anziehenden Geschmack und wurden fade.Sie hielten dafür, daß der Geschmack der Erdarten bloß und allein von der Be-schaffenheit der Feuchtigkeiten herrühre, welche in denselben sich befänden,und dies führte sie dann wieder auf die Untersuchung von dem Nutzen desWassers für die Obstbäume.

Je mehr Wasser in der Erde sich befand, desto tauglicher hielten sie dieselbefür die Erzeugung und Ernährung der obsttragenden Bäume. Dieses Wasserdurfte aber kein Quell-, sondern es mußte Regenwasser sein, weil sie glaubten,dieses habe sich schon weit besser mit der Luft vermischt, welche bloß undallein den Nahrungsstoff zu allen Dingen in sich enthalte. Jedoch auch nichtjedes Regenwasser erfüllte in dieser Rücksicht ihre Forderungen, sie unter-schieden ganz genau unter denselben. Für die vorzüglichsten Regen hielten siediejenigen, welche in dem Winter fielen, denn diese stärkten dann die alleNahrung jetzt begierig an sich ziehenden Bäume zu einer Zeit, wo sie diese

294