sehr schätzt, furchtlose Reiter und halbe Naturmenschen. Ohne gerade ge-neigt zu scheinen, ihren Fleiß zu übertreiben, saßen mehrere Männer herummit der kunstreichen Verfertigung der unzerreißbaren viereckigen Ledersäckebeschäftigt, in denen der Chileno in manchen Minengegenden die Erze, in denDistrikten des Ackerbaues aber sein Getreide und seine Hülsenfrüchte trans-portiert. Die Frauen aber waren in den Mysterien der gar nicht verächtlichenchilenischen Färbekunst vertieft oder beschäftigt, eine überaus grobe und un-reine Wolle zu verspinnen. Hervorragend über diese homerische Gruppe saßeine nach der Sitte des Landes herumziehende Weberin, im Begriff, an einemhöchst unkünstlichen Webstuhle einen Poncho, ein sehr volkstümliches Klei-dungsstück, zu verfertigen. Nicht wenig stolz schien unser Wirt darauf, dererste zu sein, der in dieser Gegend eine mehr verständige Bereitungsweise desWeines eingeführt hatte. Zwar bestanden noch in einem offenen Nebenge-bäude die Reihen von sehr geräumigen Kupferkesseln, in denen der Wein nachalter Sitte halb eingekocht wird, um ihm größere Stärke und Süßigkeit zu ver-leihen, Eigenschaften, die ihn dem Ungewohnten unleidlich und wohl garschädlich machen könnten. Indessen fehlten auch nicht die hier sehr teurenFässer zur Gährung, um Weine den europäischen ähnlich hervorzubringen.Nebenan lag ein halbdunkler, wohl vierzig Schritte langer Schuppen. SeinInneres enthielt eine vierfache Reihe von sehr großen Gefäßen aus rotem Tonin der Form kolossaler Urnen, gegen acht Schuh hoch und von dem Gehaltevon ein paar Stückfässern. Sie waren mit dem Weine der zwei letzten Jahreerfüllt, denn noch immer ist selbst in den bestbetriebenen Haciendas das Ver-fahren so unvollkommen, daß nur wenige Weine sich viel über diese Periodehinaus erhalten lassen. In der Hütte des Maultiertreibers des Gutes, welche wirzunächst betraten, lagen die außerordentlich schwerfälligen Packsättel über-einander aufgeschichtet und die Schläuche aus Ziegenhäuten, die man in-wendig mit Erdpech überzieht, um in ihnen die Weine zu versenden, welchedurch solches Verfahren weder an Klarheit noch an Arom besonders gewinnen.Ein kurzer Spaziergang in der Abendkühle führte uns durch die Weinfelder, wodie Reben sich bald über niedrige Gestelle, bald über unordentlich hingepflanztePfähle fortspinnen, wo sie aber auch ohne ängstliche Pflege fast nie verfehlen,die üppigsten Ernten zu liefern. Fast als etwas recht Heimisches begrüßt mandie blühenden Felder des Alfalfa, des Luzernerklees, den man in allen ge-mäßigten Gegenden des spanischen Amerika als einziges Futterkraut erbaut.So gelangten wir endlich wieder zu dem Wohnhause, wo schon alle Veran-staltungen getroffen worden waren, um den Abend genußvoll zu machen, die-jenige Zeit, wo in allen wärmeren Ländern der Mensch eigentlich erst zurTätigkeit oder, was dort oft gleichbedeutend ist, zum Genüsse erwacht. (EduardPöppig, Reise in Chile, Peru und auf dem Amazonenstrome, 1835/1836.)
DER ALTE PFÄLZISCHE BAUERNHOFÄhnlich wie mit der Hausflur des Bauernhauses verhält es sich mit dem Hof-raum. Auch der äußere Schmuck des Hofes ist kein übler Maßstab für denWohlstand des Bauern. In der Pfalz haben die alten Hoftore der reichen wein-bauenden Ortschaften geradezu einen monumentalen Charakter. Als die Mord-
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