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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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brennerbanden Ludwigs XIV. die Pfalz verbrannten, wurden die Häuser indiesen Dörfern zerstört, nur die massiven, in stattlichen Spitzbogen und Rund-bogen gewölbten Hoftore blieben mehrenteils stehen und stehen heute nochneben den später neu wieder angebauten Wohnungen und legen Zeugnis abvon dem Reichtum und der Wohnlichkeit dieser Bauerndörfer in alter Zeit.Auf dem Schlußstein des Torbogens ist die Jahreszahl der Erbauung eingehauen,oft auch der Name des Erbauers oder das Zeichen seines Berufes, nicht seltensteht auch ein Vers dabei, der uns anzeigt, was in jenem Jahre Korn und Weingegolten. Auch ziert wohl mancherlei Ornamentenwerk die großen Sand-steinblöcke der Torpfeiler. Wo hält wohl jetzt noch der Bauer so viel auf densinnigen und massiven Schmuck seines Hauses und Hofes? Haus und Ge-höfte der damals so reichen Pfälzer Weinbauern muß wie eine kleine Burg an-zuschauen gewesen sein, während freilich anderwärts der deutsche Bauer zuselbiger Zeit auch noch in Lehmhütten wohnte, die an die Hütten der Wildenerinnern. Zu dem stattlichen Doppeltor stimmte die hohe steinerne Hofmauer.Das Haus stand mit der schmalen Giebelfronte gegen die Straße gekehrt, dieLängenseite mit den meisten Fenstern und der Haustüre ging also auf den Hof,ein unberechenbarer Vorteil für ein Bauernhaus, denn auf seinen Hof soll derBauer aus dem Fenster schauen, nicht auf die Straße. An der Langseite imHofe war die große steinerne Bank angebracht, auf welcher dasganze Haus"am milden Sommerabend plaudernd beisammen saß. Durch diese Front-stellung des Hauptgebäudes und den beschlossenen Hof war das Haus gleich-sam überall nach innen gekehrt, während wir es jetzt mit der langen Straßen-fassade nach außen gewendet haben. In diesem einzigen Umstände liegt eineungeheure Krisis im Familienleben angedeutet. Der Binnenhof hat den bestenTeil seiner Bedeutung für die Häuslichkeit verloren, seit wir die Hauptseitedes Hauses von ihm weggewendet haben. Nur durch den Hof konnte man insHaus gelangen, man trat nicht unmittelbar von der Straße in das Heiligtumdes Hauses ein. In dem Maße, als die Familie an öffentlicher Bedeutung ver-loren hat, sind die Häuser gegen die Straße offener geworden. Im Orient, wodie Idee der freien Persönlichkeit wie der Gesellschaft und des Staates nochvielfach gefangen gehalten ist in dem Bann der übermächtigen Familie, sinddie Häuser in gleichem Extrem ganz nach Innen gekehrt, der Harem kerker-mäßig abgeschlossen, das Haus hat gar keine Straßenfront, weder architek-tonisch noch sozial. In jenen Bauernhöfen der reichen Pfalz mußte der Bauer,wenn das große Hoftor hinter ihm ins Schloß gefallen war, sich fühlen nicht wieder Türke im Kerker seines Hauses, wohl aber wie der Ritter in seinem Burg-frieden. Ahmte er vor Zeiten doch selbst den Ritter darin nach, daß er dieStrafe des Burgfriedensbruches in seinem Hofe so gut versinnbildete, wie derRitter in seinem Schloßhofe. Wo dieser das Bild der abgehauenen blutigenHand als Warnungsmal für den Friedensbrecher aufstellt, da nagelte derBauer den schlimmsten Friedensbrecher seines Hofes, den Habicht oder dieEule, zum warnenden Exempel an das Scheuertor:

Wer diesen Burgfrieden bricht,

Der wird also gericht."(W. H. Riehl, Die Familie, 1855.)

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