besteigen und bis zur Wildheit aufgeregt, ermahnend, befehlend, jubelnd oderdas Ungeschick eines Anfängers verwünschend hinter einer fliehenden Herdeher galoppieren zu sehen, und zwar mitten unter seinen Guassos, welche dannim Augenblicke der Erhitzung dem Gebieter nicht immer die gewohnte Ach-tung erzeigen. — Nach Durchwanderung der vernachlässigten Baumpflan-zungen gelangten wir zu mehreren verstreuten Hütten, den Wohnungen ebenjener Guassos, die man am richtigsten als Landleute der niedrigeren Klasse be-zeichnet, in welchen sich die volle Nationalität erhielt, welche auf mehr oderminder günstige Bedingungen hin auf dem Lande des Gutsbesitzers sich an-siedelten und dafür bald die eine oder die andere Dienstleistung auf sich haben.Der Szene, welche sich da dem Blicke darbot, fehlte es nicht an Lebhaftigkeit.Ein Guasso war beschäftigt, ein noch nie gerittenes Pferd seines Herrn dieStärke seines Arms und die Kraft seines Willens empfinden zu lassen. Das Tierwar schön und mutig, auf einer entlegenen Weide eingefangen, hatte man esmit Mühe bis auf jenen Platz getrieben. Ihm auf die gewöhnliche Weise denZaum anlegen zu wollen, würde unmöglich gewesen sein. Man hatte es mitSchlingen niedergeworfen. Kaum erhebt es sich aber, seiner Banden befreit,vom Boden, so sitzt auch der Guasso mit einem einzigen, raschen Sprunge aufseinem Rücken. Wie nun auch das Tier über die ungewohnte Last zürne, wiees springe, sich bäume oder herumgaloppiere, so bleibt doch der Reiter mit ziem-lich phlegmatischer Ruhe auf seinem Rücken hängen. Es ist Lachen erregend,die Anreden im unverfälschten Dialekte des Landes zu hören, die ein solcherGuasso an das halbermüdete Tier über das Törichte seiner Wut hält, und wärenicht der Ausdruck eines gutmütigen Ernstes unverkennbar, so möchte mandas Ganze für Ironie der bittersten Art halten. Auch die wildesten Bewe-gungen des unbändigen Tieres vermögen das Gleichgewicht des Reiters nurwenig zu stören, und fällt das Pferd oder wirft es sich selbst zu Boden, so kommtder Reiter fast immer zum Stehen neben ihm und verfehlt den Augenblicknicht, wo das sich frei glaubende Tier aufspringt, um sich als voriger Plagegeistvon neuem blitzesschnell in den Sattel zu schwingen. Nur erst wenn das Pferdin hohem Grade durch eigne Anstrengung ermüdet ist, zwingt der Reiter eszum Laufe und entläßt es nach solcher Probe gemeiniglich gar sehr gedemütigt.Ein oder zwei Versuche mehr von derselben Art genügen, um das Tier zur ge-duldigen Unterwerfung unter den stärkeren Willen des Menschen zu bringen.— Etwas entfernter bemerkten wir einen Platz mit einem kreisrunden Zauneumgeben, welcher einen zweiten konzentrischen enthielt. Zwischen den beidenRingen galoppierten zahlreiche Stuten und Maultiere, von mutwilligen Knabenso geängstigt, daß sie unaufhörlich die Bewegung fortsetzten. Der Boden warmit regelmäßigen Schichten von Weizen bedeckt, denn dieses ist die Art zudreschen in Chile, wo man den Halm kurz unter der Ähre durchschneidet, in-dem man nur allein in den Haciendas, welche den großen Städten am nächstenliegen, gelernt hat, einigen Vorteil aus dem Stroh zu ziehen. Ein alter grau-köpfiger Landmann, der Mayordomo der Pflanzung, sah unter dem Schattender breitästigen Tara, eines Baumes, welcher den Chilenen ein vortrefflichesFarbematerial liefert, mit unverkennbarem Vergnügen der Wildhe t der Kna-ben zu, die denn doch schon das zu werden versprachen, was der Landmann
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