zuteil. Nach und nach erfüllte sich der kühle Korridor, den das Klima währenddes Sommers zum eigentlichen Gesellschaftszimmer erhebt, mit den Gestaltender Familienglieder, welche sichtbar genug ohne Ausnahme aus dem festestenSchlafe erwacht waren. Sucht man nun mit unverkennbarer Freund-lichkeit alles zu tun, was den Angekommenen angenehm sein, ihnen Beweisedes besten Willens und uneigennütziger Gastfreundschaft liefern könnte, sovermag man doch selten, ihnen eigene Zimmer anzuweisen. Die Bauart derLandhäuser ist selbst in der Mitte sehr wertvollen Grundbesitzes immer nocheine solche, daß man allen Anforderungen genügt zu haben glaubt, wenn dasHaus kühl und geräumig ist und allenfalls ein abgesondertes Zimmer für dieFrauen der Familie darbietet. Indessen zieht es der Fremde, ganz besonderswenn er ein echter Sohn des Landes (hijo de tierra) ist, wenigstens im Sommerstets vor, sein Nachtlager im Freien zu nehmen. Bei der Herrlichkeit des Kli-mas zu jener Zeit kostet es ihm keine Selbstverleugnung, die gastlichen Ein-ladungen des freundlichen Wirts zur Annahme eines Lagers abzulehnen,welches man für ihn am Abende mitten in dem weiten Zimmer zu errichtenpflegt, in welchem sich während der Tagesstunden die Familie aufhielt. Allesjedoch, was man in einer der Haciendas der entlegeneren Gegenden, um sichsieht, ist in hohem Grade eigentümlich. Ein unendlich schweres Dach ausHohlziegeln, welches sich sowohl an allen öffentlichen Gebäuden als auch anden einfachsten Häusern in Chile wiederholt, ruht auf niedrigen Mauern, aushartgestampftem Lehm geformt, welche alles architektonischen Schmuckesentbehren. In dem besten Zimmer sind die Wände so grell durch irgendeineneinheimischen Maler verziert, daß man unfehlbar auf den Gedanken kommt,Arabeskenmalerei bezeichne nicht sowohl eine höhere Bildungsstufe der Kunst,sondern gehöre ihrer Kindheit an. Weite große Türen, zu jeder Tageszeit offen,ersetzen den Mangel der wenig zahlreichen Fenster und bringen einen ebensoangenehmen, als unschädlichen Zug des Windes hervor. Nirgends aber ist dieMischung des Alten und Neuen zu verkennen, des langsamen Weichens deraltherkömmlichen Sitte im Gegensatz der Gebräuche und Genüsse, welchenur erst durch Einführung früher ungekannter Moden und neu angekommenerBequemlichkeiten Europas entstanden. Reiche englische Teppiche bedeckenden rohen Tennenboden des besten Gesellschaftssaales, ein eleganter Kron-leuchter hängt von dem unkünstlichen Querbalken, der sich frei zwischenDach und Zimmer hinzieht. Teure Möbel aus Nordamerika oder Frankreichstechen sonderbar ab von den halbvergoldeten und überaus geschmacklosenZieraten, mit denen vor eben nicht langer Zeit die Familie noch allein ihr Hauszu schmücken, ihren Reichtum zu zeigen vermochte. Zwischen den reichver-goldeten Rahmen englischer Kupferstiche hängen gar oft die kleinen Bilderder Familienheiligen, und zwar von keiner feineren Art, als jene es sind, welcheNürnberger Industrie täglich hervorbringt. — — Nicht zufrieden damit, dieBesuchenden freundlich zu begrüßen, beobachten die Chilenen einen sehr sin-nigen Gebrauch. Ihre Frauen überreichen bald den angekommenen Fremdenirgendein kleines Geschenk, gleichsam als eine Ankündigung der Freundlich-keit und des guten Willens, auf welche er rechnen darf, hat er nur anders esnicht verfehlt, der Volkssitte getreu schon im Anfange sich ihnen freundlich
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