den Völkerstämmen stattfinden, die eine gleiche Aufmerksamkeit verdienen,als die der Hautfärbung, der Schädelbildung und anderes mehr. Die aufge-worfene Physiognomie des Negers und die Mißbildung seiner Extremitäten,das ungleiche Verhältnis der Länge zwischen den Armen und Schenkeln derAustralier zum Körper, wie andere Mißverhältnisse des Mongolenschlages undrelative Kleinheit der Extremitäten der Hindu sind anderwärts angeführt wor-den. Der Araber hat nach den genauesten und vielfältigsten Untersuchungennicht nur eine unserem Ideal von Schönheit entsprechende, auf das eben-mäßigste und mannigfaltigste im schönsten Oval entwickelte Gesichtsbildung,die Kaukasische, sondern auch sehr schön gebildete Füße, Hände. Selbst dergeplagteste arabische Bauer im Niltale, der Fellah, und ebendaselbst der ent-arteste rohe Beduine hat Glieder, die mit dem Körper in schönster Harmoniestehen und bei der natürlichen Freiheit aller seiner Bewegungen in Gang undHaltung ihm Anmut, Würde, Adel verleihen, die eben nichts anders als ein Re-sultat jener inneren Harmonie der schönsten Menschengestalt sind, wenn Lebensie durchströmt. Ihre Glieder sind nicht so übermäßig klein und fein wie dieder Hindu, und weder Riesen, Zwerge noch Krüppel hat man unter ihnen ge-sehen. Bei der Nüchternheit und Kargheit seiner Lebensweise zeichnet sich derBeduine immer eher durch Kleinheit und Magerkeit aus, bewahrt aber dabeidie schönste Gestalt, frischen Wuchs, Agilität, Lebenskraft und größte Dauerund ein Feuer der Imagination, das schon aus der Glut seiner blitzenden Augensprüht. (Carl Ritter, Die Erdkunde im Verhältnis zur Natur und zur Ge-schichte des Menschen, 1817/1818.)
DER HEILIGE STROM
Dieses gesegnete Gangesgebiet ist wie kein anderes auf Erden von seinen eigenenBewohnern gefeiert, und sein Typus hat ihre mythologischen Systeme, ihrenreligiösen Kultus, ihre Sitten und tägliche Lebensweise mitgestalten helfen.Der Mythos vom Ganges macht eine Episode des größten indischen Epos desRamajan aus. Wie nach der Braminenlehre die Welt und die Götter aus demWasser hervortraten, so sind auch wieder alle Wasser des Ganges ihre Ab-kömmlinge geworden. Zur Mongolenzeit nannten die Braminen 27 heiligeStröme in Hindostan, an denen unzählige geweihete Orte lagen. Mehrere da-von sind weibliche Gottheiten, die sich wieder in die Flüsse verwandelt haben.Zu ihnen zu pilgern, in ihnen zu baden, aus ihren Quellen zu trinken, sich reinvon Sünden zu waschen und ein Verdienst für den Zustand nach dem Todezu erwerben, dies setzte seit frühester Zeit jährlich Hunderttausende von Pil-gern in Bewegung und bringt noch bis auf den heutigen Tag einen Verkehrunter die Völker der Gangesländer, welcher die Veranlassung zu der Richtungfast aller ihrer öffentlichen Angelegenheiten, Handelsverhältnisse, Haus-haltungsgeschäfte und ihrer täglichen Gebräuche ist. Der Kranke sucht Ge-nesung im Gangesbade, und der Gesunde sorgt dafür, daß wo möglich seineAsche nach dem Tode in den Strom gestreut werde. Der Segen, den der Stromin der Tat über seine Fluren verbreitet, der Reichtum seiner Gaben, der täg-liche Genuß des trefflichen Gangeswassers, das heilsame Bad und die körper-
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