sich von selbst, bilden von selbst trockene und gangbare Wege in ihrem früherenbahnlosen Terrain aus. Freilich geht dieser Prozeß noch besser und raschervor sich, wenn der Mensch ihnen dabei planmäßig zu Hilfe kommt.Die großen Niederungen des Flußdeltas sind in der Regel ohne einen eigenenheimischen Wasservorrat, ohne aus eigenem Busen hervorquellende Süß-wasserquellen. Das Wasser, welches von oben kommt, muß sie mit diesemwichtigen Schatze versehen. Es ist, als wenn die Natur selber auch dafür sorgenwollte. Kaum erreichen die Flüsse diese tiefen Flachländer, so fangen sie so-fort an, sich in Arme zu zerspalten und ihren Wasservorrat nach allen Gegen-den hin zu versenden. Der Mensch hat nur hier und da mit einigen Kanälennachzuhelfen, um das von der Natur begonnene Kanalnetz weiter auszuspinnenund in die Regionen, welche die Natur etwa vergessen hat, noch einzelne Kanal-arme hinzuleiten.
Sogar bei ihren wilden Ausbrüchen, bei den zerstörenden Überschwemmungenverfährt die Natur gleich so, daß durch dieses Verfahren selbst schon einigeLinderung des Übels dargeboten wird. Bei den außergewöhnlichen, regellosenund heftigen Ergüssen des Wassers in die Ebenen werden sofort tiefe Löcher inden Boden gebildet, in denen ein großer Teil des auslaufenden Wassers ver-steckt bleibt und daher nicht weiter schaden kann. Weiterströmend reißendie Gewässer tiefe Kanäle aus, in denen sie sich zusammenhalten, so daß dieÜberschwemmung sich bald in diese Kanäle zurückzieht und nicht auf einemsehr großen Terrain Schaden anrichten kann.
Wie an den Ufern der Flüsse, so baut die Natur auch an den Küsten des Meeresvon selbst Schutzdämme auf, nämlich die großen mächtigen Dünenwälle, mitdenen sie das gewonnene Marschland einrahmt, und die, wenn der Menschnur mit einiger Wachsamkeit nachhilft, ihm den kräftigsten Schutz gewähren.Auch läßt sie sofort auf diesen Dünen und auf dem neugewonnenen Schlamm-lande eigentümliche Kräuter erwachsen, welche den losen Sand und Schlammbefestigen und dessen Masse und Widerstandsfähigkeit noch erhöhen, und de-ren Gesäme der Mensch noch zu weiterer Anpflanzung und Festigung benutzt.Ja, sogar auch Schleusen legt die Natur an, die großen festen Sandbänke näm-lich, welche sich vor der Mündung der Flüsse und längs der Küste hinlegen,und die zwar der Schiffahrt sehr unerwünscht sind, die aber doch die Wut derWogen brechen und den Fortschritt der Benagung und Zerstörung des festenLandes hemmen. Da diese Schleusen aus losem Sande bestehen, so sind sie be-weglich. Sie schließen sich etwas, wenn die Flut, die den Sand mitbringt undgegen das Land hinanschleudert, heraufkommt, und öffnen sich ein wenig,wenn Ebbe und Flüsse aus den Toren des Festlandes hinausfließen und dieSandkörner mit sich in die Tiefe hinausführen.
Diesem allen nach glich also das alte Urniederland in den Hauptzügen demneuen von Menschen umgestalteten Niederland, gleichsam wie eine alla primaroh angelegte Farbenskizze dem vom Künstler später völlig ausgeführten Ge-mälde gleicht.
Selbst die Holzflöße, die wir aus den oberen Rheingegenden nach Rotterdamhinabkommen sehen, finden sich in jenem Urniederlande wieder. Wie dieFlußdämme, wie die Kanäle, wie die Seeuferdeiche, wie die Sandbankschleusen,
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