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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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dann immer rascher hinabsank zum Charakter eines Binnensees, genossendie höchsten geographischen Vergünstigungen fortan diejenigen Völker, welchean den Weltmeerufern Europas saßen und deren nautische Anlagen nur einesWeckers bedurft hatten. Je wichtiger seitdem mit jedem Jahrhundert dieüberseeischen Gebiete als ein verjüngtes und verdoppeltes Europa wurden,desto höher stieg der Rang der ozeanischen Küsten.

Sooft wir diese Lehren der Geschichte fest ins Auge fassen, vermögen sie unsimmer aufs neue in Staunen zu versetzen. Wir erkannten zuvor, daß zurRentierzeit die Umrisse unseres Weltteils noch tote Vergünstigungen fürseine Bewohner wären, wir überzeugten uns später, daß der älteste Auf-schwung zu höherer Gesittung sich dort zutrug, wo unweit der Berührung vonAfrika und Asien der Nil strömte, daß ferner zur Aufnahme morgenländischerKultur der Südrand Europas durch seine geographischen Gliedmaßen und Ge-fäße gleichsam vorsorglich ausgestattet worden war, daß aber diese Verrich-tungen aufhörten, als durch eine Steigerung menschlicher Leistungen der Wertder gegebenen Naturverhältnisse sich änderte. Höher demnach als alle Um-risse von Land und Meer, als das Höchste sogar, müssen wir die Tat verehren.(Oskar Peschel, Völkerkunde, 1874.)

NATURBAU UND MENSCHENBAU

Es gibt nur wenige der von den Niederländern erfundenen Landverteidigungs-,Landgewinnungs-, Wasserbeschränkungs- und Wassersammlungsanstalten,welche ihnen die Natur nicht vorgemacht hätte. Und ebenso gibt es nur we-nige physikalische Zerstörungen und Unglücksfälle, für deren Abstellungoder Verwischung die Natur nicht ein Mittel an die Hand gegeben hätte. DieNatur erscheint daher immer wie eine wilde Riesin, die in der einen Hand einSchwert hält, mit dem sie verwundet, und in der anderen einen Zauberstab, mitdem sie heilt.

Der Andrang der Gewässer von oben ist gewaltig, und in dem flachen Lande,in welches sie eintreten, drohen sie alles unter einer perpetuierlichen Über-schwemmung zu erhalten. Allein gibt es hier keine von Vulkan ausgearbei-teten und dargebotenen Täler und Spalten, so fängt nun das Wasser selber anzu graben. Es höhlt sich tiefe Kanäle aus, in denen es sich bei gewöhnlichemWasserstande zusammenhält. Selbst bei höherer Anschwellung der Adernsorgt die Natur für den Schutz der benachbarten Fluren. Einem aus der Be-wegungsweise des fließenden Gewässers zu erklärenden Gesetze zufolge schiebtdas Wasser viele der festen Teile, die es fortführt, auf die Seite seinem Uferzu, wo es sie liegen läßt, und wo sie allmählich den Uferrand erhöhen. DieFlüsse graben daher nicht nur von Natur in der Tiefe, sondern sie werfen auchvon selbst Schutzdämme und Deiche auf. Bei allen Flüssen in den Niederungen,in Holland und Ägypten, in jedem sumpfigen Terrain kann man es wahrneh-men, daß ein trockener erhöhter Uferrand neben ihnen hinläuft. Des MenschenDeicharbeiten werden auf diese Weise von der Natur selber veranlaßt und er-leichtert. Große sumpfige Striche, wenn das Wasser nur irgendwohin einenkleinen Abfall gewinnen kann, kanalisieren, entwässern und entsumpfen

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