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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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und britischen Kelten war dieser Umschwung schon vorbereitet, aber derlängere Genuß der Römerherrschaft mußte dort mit dem Verluste der einhei-mischen Sprache gebüßt werden, so daß sich nur in den unzugänglichen Ge-birgen, in den abgelegenen Landschaften Aquitaniens das Baskische, in derBretagne, in Wales, in Schottland und in Irland das Keltische längere Zeit be-haupten konnte. Daß die germanischen Stämme ihre Sprache retteten, ver-dankten sie der größeren Rauheit ihres Klimas, der Unwegsamkeit des Flach-landes, der kürzeren Dauer der Römerherrschaft, ihrer mannhaften Gegen-wehr, aber auch dem Schutze ihrer mächtigen Gebirge; denn während in dasoffene und heitere, darum auch einer zeitigeren Gesittung erschlossene Galliendas Lateinische bequem einzog und sich ausbreitete, konnte es nicht auf demnächsten Wege, nämlich von Süden herauf, sondern es mußte aus dem Süd-westen und aus dem Westen, also auf Umwegen, nach Deutschland eindringen,so daß wir auch der Unzugänglichkeit der deutschen Alpen zu danken haben,wenn unsere Sprache sich siegreich behaupten durfte.

Mit dem Wachstum bürgerlicher Gesittung in Nordeuropa veränderten sichallmählich Wert und Würde der geographischen Gliederungen. Die Strömewirkten städtebildend, Gewerbe und Handel blühten, und die nördlichen Mittel-meergestade erhielten jetzt, was sie vorher nur schwach besaßen, ein staats-wirtschaftliches Hinterland. In dieser Zeit erneuert sich die Blüte von Marseille,wird Barcelona ein Platz ersten Ranges, erhebt sich etwas später Sevilla undentsteht die Seemacht von Genua, welche nach Überwältigung Pisas dieHerrschaft auf dem Mittelmeer anstrebt. Um aber alle diese Schöpfungen zuverdunkeln und alle Nebenbuhler zu überleben, war in unvergleichlicher Lage,nämlich in der Vertiefung des adriatischen Golfes, als dessen verlängerte Achsewir das Rote Meer, den ältesten Seeweg nach Indien, betrachten dürfen, Ve-nedig gegründet worden, dem zuletzt das Übergewicht zur See verblieb.Wenn damals der Südrand Europas als die am meisten bevorzugte Gliederungdes Erdkreises erschien, so sollten die italienischen Seemächte selbst eine Wen-dung herbeiführen, welche die kulturgeschichtliche Bedeutung der UmrisseEuropas gänzlich verändern mußte, ja, wir können sogar die Zeit streng be-zeichnen, in welcher der Glanz der Mittelmeerufer zu erbleichen begann. ImJahre 1318 brachten zuerst venetianische Galeeren indische, das heißt morgen-ländische Waren auf dem Seeweg durch die Meerenge von Gibraltar nach demMarkte von Antwerpen. Wohl waren einzelne Fahrzeuge früher diesen Weggezogen, allein wegen der See- und Piratengefahr mußte bis dahin kaufmän-nisch die Verfrachtung zu Lande dem Seewege vorgezogen werden. Mit jenemnautischen Fortschritt wurden die Schiffer hinausgeführt in den AtlantischenOzean. Fast unmittelbar erfolgte darauf die Wiederentdeckung der Kanarienund das Auffinden der Azoren, letztere auf zwei Fünfteln des Weges nachAmerika gelegen. Nicht unbemerkt zogen Mittelmeer-Seefahrer an Portugalvorüber, welches für ozeanische Verbindungen unvergleichlich günstig ge-legen war. Lissabon erhob sich zu einem Seeplatz ersten Ranges, die anfangsverzagten Portugiesen und Spanier übten sich an den afrikanischen Küstenfür Fahrten auf der hohen See, eine neue Welt im Westen, ein ozeanischerWeg nach Indien wurde gefunden, und während das Mittelmeer erst langsam,

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