heit des geschichtlichen Lebens, welches im Wandel mächtiger Reiche vonOsten nach Westen fortgeschritten ist.
Die moralische Welt hat ihre Revolutionen, wie die physische, aber ihre Um-wälzungen können geschichtlich nicht zu so großen Epochen des Stillstandesgelangen, wie jene der Natur. Sie sind, weil von geistigen Kräften hervorge-bracht, in der Zeit beschleunigt und endlos. Die Gesellschaftstriebe, nach Ein-heitspunkten strebend, setzen Völkergebilde zusammen. Große Reiche ent-stehen, dauern ihre Zeit und stürzen dann mit Kriegsgetöse ein. Aus ihrenTrümmern, die wie Moränenschutt Länder bedecken, ragen dann noch ver-einzelte riesige Denkmäler, die erratischen Blöcke der Geschichte, in die Nach-welt herein. Allein neue Reiche bilden sich, alles geschichtlich Vergangene aberdauert im Bewußtsein des Erdgeistes fort. Von einem erhöhten Standpunktebetrachtet, stellt sich der historische Kosmos als ein zusammenhängendes, ein-heitliches Relief dar. Die großen Monarchien sind in diesem wie hohe Gebirgs-züge aufgereiht, die fernsten noch vom mythischen Dämmer der Urzeit ver-hüllt, andere immer lichter hervortretend. So bilden sie die kontinentalenMassen im Panorama der geschichtlichen Welt. (Ferdinand Gregorovius, Diegroßen Monarchien oder die Weltreiche in der Geschichte, 1890.)
GUNST DER LAGE UND MENSCHLICHE TAT
Unter allen arischen Völkern leuchteten unbedingt die Römer durch staats-männische Begabung am hellsten. Wie ein Gemeinwesen durch Gesetze zuordnen, wie ein Heer zu schulen, wie im friedlichen Verkehr die Zweifel überEigentum und Leistungen nach gesunder Auffassung des Rechten und Billigenzu schlichten seien, verstand niemand besser, als sie. Im Orient entstandennur Despotien auf den Trümmern von Despotien, bei den Ariern des Abend-landes entwickelten sich die ersten Keime einer bürgerlichen Gesellschaft.Zum Heil für die Menschheit hatten aber gerade die Römer auf einer mittlerenHalbinsel ihre Heimat gefunden; denn wie schon Strabo einsah, beruhte aufder zentralen Lage Italiens die lateinische Weltherrschaft. So kam es, daßkurz vor dem Beginn unserer Zeitrechnung zum ersten Male der Schwerpunktder Gesittung von den Südufern des Mittelmeeres nach dem nördlichen Rande,von seinem äußersten Osten nach der Mitte und obendrein vom levantischenBecken in das abendländische verlegt wurde.
Würdigen wir den Gang der Geschichte von dem entlegenen Abstände der Erd-und Völkerkunde, so gilt uns als die höchste Verrichtung des Römerreichs dielangsame Bekämpfung Spaniens, die rasche Eroberung Galliens sowie derbritischen Inseln und das teilweise Vordringen nach Deutschland. Unschein-bare und alltägliche Leistungen der Römer sind es, die wir in diesem Sinneam höchsten stellen müssen, sie errichteten Straßen, Meilensteine und Posten,sie lehrten, wie unsere Sprache es bezeugt, die ersten steinernen Häuser er-bauen und vereinigten sie durch Gräben und Brustwehr zu einem Ring. Durchihre Städtegründungen wurden zum erstenmal die Bewohner in eine bürger-liche und eine ländliche Bevölkerung geschieden und gleichzeitig die erste An-leitung erteilt, wie solche Gemeinden sich verwalten lassen. Bei den gallischen
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