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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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Den dritten Teil endlich bilden die nördlichen Staaten Europas, Polen, Ruß-land und die nördlichen Reiche. Sie kommen erst spät in die Reihe der ge-schichtlichen Staaten und bilden und unterhalten beständig den Zusammen-hang mit Asien. (Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte1837.)

ERDRAUM UND WELTREICH

Die älteste Idee vom Staat ist die theokratische des Orients: daß er nicht ir-disches Menschenwerk, sondern eine Einrichtung der Gottheit sei. Diese selbsthat das Königtum als Weltregierung eingesetzt.

Die großen Despoten des Orients wurden von ihren Völkern als Götter verehrt.Dem solaren Cultus gemäß, welcher die älteste Religion der geschichtlichenMenschheit ist, leiteten sie ihre Herrschergewalt von dem Lichtquell allesLebens, von der Sonne ab.

In Hieroglyphen-Inschriften heißt Ramses Herr der Erde, der Sonnengott Rahat ihm alle Völker untertänig gemacht. Tutmes III. nennt sich König Sonne,Bezwinger der Erde und Stütze der Welt. In einer Keilinschrift verkündet derPerserkönig Darius: Ormuzd, als er diese Erde sah, da hat er sie mir übertragen,mich hat er zum Könige gemacht, durch die Gnade des Sonnengottes habe ichdie Erde zurecht gerichtet.

In diesen überschwänglichen Prädikaten des asiatischen Königtums wirdzunächst ein Begriff auffallen, welcher bedeutsam ist. Es ist die Anschauungdes Weltganzen. Lange Völkerverbindungen, Beobachtungen des Weltge-bäudes und kosmogonische Systeme mußten vorausgegangen sein, ehe dieWorte Welt und Erde auf einem Obelisken, dem Sonnenstrahl von Stein, ihreBezeichnung fanden. Auch die kühne Hyperbel ist bemerkenswert, mit welcherein Königreich zum Erdkreise ausgedehnt wird. Dieser orientalische Orbisterrarum ist freilich für Zeitalter erklärlich, in denen die Kenntnisse der Erd-räume eine sehr beschränkte war.

Wir selbst sind gewohnt, von Weltmonarchien zu reden, obwohl die so hyper-bolisch bezeichneten Reiche nicht die Welt umfaßt haben. Sie haben indes diegeschichtliche Welt in ihrer Zeit bedeutet, weniger durch ihre geographischeAusdehnung, als weil die in ihnen zusammengefaßte Völkereinheit den höchstenGrad der Gesittung darstellt, zu dem in ihrer Epoche die Menschheit gelangt war.Hegel hat sich so ausgedrückt, daß der Reihe nach Völker in der Geschichteauftreten, welche Träger der Weltanschauung sind.

Von dem vorherrschenden Volke, aus dem der Eroberer, der Stifter der großenMonarchie hervorgegangen ist, empfängt diese ihren politischen Namen. DerKönig thront in der prachtvollen unermeßlichen Stadt, die das Zentrum desKulturreichs und deshalb die Weltstadt ist. Die Chronisten des Mittelaltershaben daher nicht unrecht, wenn sie auch die Wissenschaft als das Besitztumder jedesmaligen Weltmonarchie ansehen und von ihrem Weiterwandern auseinem großen Reich in das andere reden.

Lange Zeit hindurch hat man die Weltgeschichte nach den vier Monarchien>n der großartigen Phantasie Daniels eingeteilt. Dieses von uns aufgegebenePrinzip der Weltalter enthält immerhin die richtige Anschauung von der Ein-

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