auch die Verbreitungs- und Kultursphären der einzelnen Naturproduktionensich, wie die Zahlen ihrer Individuen, mannigfach veränderten. Aber das Erd-system ist nicht dasselbe geblieben, gesetzt auch in seinem kosmischen undphysischen, doch nicht in seinem historischen Leben.
Denn, weil es das eine und fortdauernde war und blieb, das sich nicht durchneue Erzeugung, wie die lebendigen, abgesonderten Organisationen auf ihm,durch neue Geschlechter verjüngen sollte, aber als abgeschlossener tellurischerRing in eigentümlicher Spannung des einmal gewonnenen Daseins auch nichtdurch Chemismus und Polarisation, gleich seinen abgetrennten Teilen, das ir-dische Ziel der Vollendung sogleich im Moment des ersten Werdens und seinerGestaltung, gleich der Kristallform, erreichte — so konnte sich das Erdsystemauch nicht, wie jene, immer wieder neu und ursprünglich gestalten, nicht, wiediese, in Verwitterung und Auflösung aus der einmal gegebenen Form zurück-schreiten. Es bewahrte gleich den anderen Planeten seines Sonnensystems die-selben kosmischen Verhältnisse, wie jene, aber indes seine Nebenplaneten füruns keinen individuellen relativ erkennbaren Wandel erlitten, ward unser Erd-system während seiner langen Zeitdauer als ein und dasselbe irdische Rundunter den vollen Einfluß aller irdischen, sei es der mechanischen, physischenoder intellektuellen, für uns wahrnehmbaren Gewalten gestellt, und dieProgression ihres gesteigerten oder rückwärts schreitenden Einflusses mit inden Gang der Menschengeschichte verwebt.
Wenn daher die Alte Welt den Schauplatz ihrer Geschichten nur auf den be-engten Orbis terrarum der Römer beschränken mußte, das Mittelalter ihnschon überall bis an die äußersten Enden der Gliederungen der Alten Welt,nach dem Norden, Süden und Osten ihrer großen Landveste ausdehnte, sospannte die Geschichte der neueren Zeit ihr reiches Gewebe der Begebenheitenüber den ganzen Erdball aus. Das historische Element greift also auf sehr ver-schiedene Arten, in sehr verschiedenen Zeiten in die Physik des Erdballs ein,aber auch in sehr verschiedenartigen Progressionen und Weisen.Denn in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden, als die Völkergeschlechterüberall mehr auf ihre Heimaten und auf sich selbst angewiesen waren, wurdensie von der allgemeinen tellurischen Physik kaum berührt, desto mächtigergriff aber die lokale Physik der Heimat, die vaterländische Natur in die Indi-vidualitäten der Völker und Staaten ein. Daher wohl eben die edler Begabten,zu Kultur sich Erhebenden aus der ihnen gegebenen engeren Sphäre indi-vidueller und doch harmonisch-vollendeter in der Erscheinung, in schönerenund bestimmteren historischen Gestaltungen und Charakteren hervortraten,als die der neueren Zeiten. Sie entwuchsen, unberührt von der Fremde, nochganz dem heimatlichen Himmel und Boden, der in seiner vollen jungfräulichenKraft ihr ganzes Geäder und alle Glieder durchdrang mit seinen nährendenGaben und Kräften. Dadurch trat bei ihnen alles Nationale auch wirklichvaterländisch und heimatlich in großer Einheit auf, so bei Ägyptern, Persern,Hebräern, wie bei Hellenen und Italienern, als noch keine moderne Ver-pflanzungsweise oder Kolonisation, Umtausch, Verkehr durch Hin- und Rück-wirkung auf und aus der Fremde, der Kulturentwicklung in der Heimatvorherging, um einen noch größeren Ertrag für das Allgemeinere zu erzielen.
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