Druckschrift 
5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

rungen des menschlichen Geistes anwenden und benutzen zu lernen. Hierinist seine Aufgabe mit der des Pflanzers gleich, der den Acker, den er zu be-bauen hat, erst nach und nach mit allen seinen Gaben erkennen lernt. Durchdie Beseelung der raumfüllenden Bewegungen wurde schon zu der PhönizierZeiten der Indische Orient dem Europäischen Hesperien näher gerückt, durchsie wurde zu Kolumbus' Zeit die zweite Hälfte des Erdballs, die längst von dereinen geahndet, aber ihr noch unsichtbar und ferner lag als die Mondscheibe,gleichsam angetraut, durch sie wurde die isolierte südwestliche Halbkugel derErde, die Australische, mit ihren tausend zerstörten Eilanden, erst seit einemhalben Jahrhundert überall an die bis dahin geschiedene nordöstliche Land-halbkugel der Erde geknüpft, und die früher getrennt scheinende Gestadeweltdes Planeten wurde in ihrem Gesamtkreise, in allen Zonen, zu einer Einheit er-hoben für das System der Wissenschaft, wie für die Kulturwelt, und für denMarkt des gemeinen Lebens, des Tageverkehrs, der selbst nicht ohne merk-lichen Einfluß auf Geschichte, Politik und allgemeine Kultur bleibt.In diesem Wechsel der physikalischen Verhältnisse des Erdplaneten durch dasElement der Geschichte, liegt der wesentliche Unterschied der Geographie,als Wissenschaft der Gesamtverhältnisse der tellurischen Seite der Erde, vonden Teilen der Astronomie, welche bei Erforschung des Weltbaus und unseresSonnensystems, auch den Erdball in der Reihe des Planeten nach den kos-mischen, oder nach den sich nicht abwandelnden, absoluten Raum- und Zeit-verhältnissen, nicht aber nach den relativen, tellurischen, in ihre Betrach-tungen einführt. Dieselben beweglichen Distanzen der Planeten unter sichund ihre stets sich gleich bleibenden Sonnenumkreisungen haben seit denZeiten der Sesostriden keinen Wechsel in der Natur unseres Sonnensystems,wenn auch ein Fortrücken unserer Zeichen derselben, bedingt, aber die tel-lurischen Instanzen, durch rigide Formen scheinbar fixiert, haben gewechselt,und der Abstand Indiens vom ägyptischen Gestade Berenikes wurde schonunter den Ptolemäern seit Hippalus Durchschiffung des offnen Indischen Ozeansmit Hilfe der Monsune um das Doppelte verkleinert, und wie sind seitdem dieGestade jener Indischen Welt der ganzen Westseite näher gerückt durch diebeseelte Bewegung der flüssigen Formen der Elemente!Die Geographie als Wissenschaft unterscheidet sich aber auch von allen Zwei-gen der Physik und der Naturwissenschaften, die in dem Objekte mit demihrigen häufig zusammentreffen, dadurch, daß diese, außer dem oben schonBerührten, ebenfalls die Naturkräfte und Organismen an sich, nach ihren in-neren Gesetzen in ihren Wirkungen und Bewegungen untersuchen, aber nichtim tellurisch-geschlossenen Erdring, und nicht als die Träger der beseeltenBewegungen in der Gesamterscheinung des Erdballs und den daraus für dessenDasein oder Leben hervorgehenden Wechseln und Veränderungen. Das Welt-system an sich bleibt sich daher, in seinen unwandelbaren, absolut zu erfor-schenden Verhältnissen, wie die Gottheit gleich, das Natursystem, wenn esa uch in des weisen Salomos und Aristoteles Verzeichnissen nur eine geringeSumme von Individualitäten desselben, gegen die jetzige Mannigfaltigkeit undFülle in sich schloß, blieb doch in dem Wesen, seinen inneren Gesetzen, Organi-sationen und Erscheinungen nach, das eine und dasselbe durch alle Zeiten, wenn

271