Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie, allein sie steht auf der negativen Seiteund ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwasWidersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick.
Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaueFläche auch vor uns zurückzuweichen.
Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, sosehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es unsnach sich zieht.
Das Blaue gibt uns ein Gefühl von Kälte, sowie es uns auch an Schatten er-innert. Wie es vom Schwarzen abgeleitet sei, ist uns bekannt.Zimmer, die rein blau austapeziert sind, erscheinen gewissermaßen weit, abereigentlich leer und kalt.
Blaues Glas zeigt die Gegenstände im traurigen Licht.
Wie wir das Gelbe sehr bald in einer Steigerung gefunden haben, so bemerkenwir auch bei dem Blauen dieselbe Eigenschaft.
Das Blaue steigert sich sehr sanft ins Rot und erhält dadurch etwas Wirk-sames, ob es sich gleich auf der passiven Seite befindet. Sein Reiz ist aber vonganz anderer Art, als der des Rotgelben. Er belebt nicht sowohl, als daß esunruhig macht.
So wie die Steigerung selbst unaufhaltsam ist, so wünscht man auch mit dieserFarbe immer fortzugehen, nicht aber, wie beim Rotgelben, immer tätig vor-wärts zu schreiten, sondern einen Punkt zu finden, wo man ausruhen könnte.Sehr verdünnt kennen wir die Farbe unter dem Namen Lila, aber auch so hatsie etwas Lebhaftes ohne Fröhlichkeit.
Jene Unruhe nimmt bei der weiterschreitenden Steigerung zu, und man kannwohl behaupten, daß eine Tapete von einem ganz reinen gesättigten Blauroteine Art von unerträglicher Gegenwart sein müsse. Deswegen es auch, wennes als Kleidung, Band oder sonstiger Zierat vorkommt, sehr verdünnt und hellangewendet wird, da es denn seiner bezeichneten Natur nach einen ganz be-sonderen Reiz ausübt.
Indem die hohe Geistlichkeit diese unruhige Farbe sich angeeignet hat, so dürfteman wohl sagen, daß sie auf den unruhigen Staffeln einer immer vordringendenSteigerung unaufhaltsam zu dem Kardinalpurpur hinaufstrebe.Man entferne bei dieser Benennung alles, was im Roten einen Eindruck vonGelb oder Blau machen könnte. Man denke sich ein ganz reines Rot, einenvollkommenen, auf einer weißen Porzellanschale aufgetrockneten Karmin.Wir haben diese Farbe ihrer hohen Würde wegen manchmal Purpur genannt,ob wir gleich wohl wissen, daß der Purpur der Alten sich mehr nach der blauenSeite hinzog.
Wer die prismatische Entstehung des Purpurs kennt, der wird nicht paradoxfinden, wenn wir behaupten, daß diese Farbe teils actu, teils potentia alle an-deren Farben enthalte.
Wenn wir beim Gelben und Blauen eine strebende Steigerung ins Rote gesehenund dabei unsere Gefühle bemerkt haben, so läßt sich denken, daß nun in derVereinigung der gesteigerten Pole eine eigentliche Beruhigung, die wir eineideale Befriedigung nennen möchten, stattfinden könne. Und so entsteht bei
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