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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Wenn nun diese Farbe in ihrer Reinheit und hellem Zustande angenehm underfreulich ist, in ihrer ganzen Kraft aber etwas Heiteres und Edles hat, so ist siedagegen äußerst empfindlich und macht eine sehr unangenehme Wirkung,wenn sie beschmutzt oder einigermaßen ins Minus gezogen wird. So hat dieFarbe des Schwefels, die ins Grüne fällt, etwas Unangenehmes.Wenn die gelbe Farbe unreinen und unedlen Oberflächen mitgeteilt wird, wiedem gemeinen Tuch, dem Filz und dergleichen, worauf sie nicht mit ganzerEnergie erscheint, entsteht eine solche unangenehme Wirkung. Durch einegeringe und unmerkliche Bewegung wird der schöne Eindruck des Feuers undGoldes in die Empfindung des Kotigen verwandelt und die Farbe der Ehre undWonne zur Farbe der Schande, des Abscheus und Mißbehagens umgekehrt.Daher mögen die gelben Hüte der Bankerottierer, die gelben Ringe auf denMänteln der Juden entstanden sein, ja, die sogenannte Hahnreifarbe ist eigent-lich nur ein schmutziges Gelb.

Da sich keine Farbe als stillstehend betrachten läßt, so kann man das Gelbesehr leicht durch Verdichtung und Verdunklung ins Rötliche steigern und er-heben. Die Farbe wächst an Energie und erscheint im Rotgelben mächtigerund herrlicher.

Alles was wir vom Gelben gesagt haben, gilt auch hier, nur im höheren Grade.Das Rotgelbe gibt eigentlich dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne, in-dem es die Farbe der höheren Glut sowie den milderen Abglanz der unter-gehenden Sonne repräsentiert. Deswegen ist sie auch bei Umgebungen ange-nehm und als Kleidung in mehr oder minderem Grade erfreulich oder herrlich.Ein kleiner Blick ins Rote gibt dem Gelben gleich ein ander Ansehn, undwenn Engländer und Deutsche sich noch an blaßgelben hellen Lederfarben ge-nügen lassen, so liebt der Franzose, wie Pater Castel schon bemerkt, das ins Rotgesteigerte Gelb, wie ihn überhaupt an Farben alles freut, was sich auf der ak-tiven Seite befindet.

Wie das reine Gelb sehr leicht in das Rotgelbe hinübergeht, so ist die Steigerungdieses letzten ins Gelbrote nicht aufzuhalten. Das angenehme heitere Gefühl,das uns das Rotgelbe noch gewährt, steigert sich bis zum unerträglich Gewalt-samen im hohen Gelbroten.

Die aktive Seite ist hier in ihrer höchsten Energie, und es ist kein Wunder, daßenergische, gesunde, rohe Menschen sich besonders an dieser Farbe erfreuen.Man hat die Neigung zu derselben bei wilden Völkern durchaus bemerkt. Undwenn Kinder, sich selbst überlassen, zu illuminieren anfangen, so werden sieZinnober und Mennig nicht schonen.

Man darf eine vollkommen gelbrote Fläche starr ansehen, so scheint sich dieFarbe wirklich ins Organ zu bohren. Sie bringt eine unglaubliche Erschütterunghervor und behält diese Wirkung bei einem ziemlichen Grade von Dunkelheit.Die Erscheinung eines gelbroten Tuches beunruhigt und erzürnt die Tiere.Auch habe ich gebildete Menschen gekannt, denen es unerträglich fiel, wennihnen an einem sonst grauen Tage jemand im Scharlachrock begegnete.So wie Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, daß Blauimmer etwas Dunkles mit sich führe.Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche

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