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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Aber wenn ich auch nach jenen Rätseln aus der mir fernen, fremden Lichtweltnicht frage, nach jenen riesenhaften Zahlenrätseln, welche vielleicht meinemstaunenden Geiste nicht die Natur selber, sondern nur das mißverstehende,träumende Auge der Beobachter aufgegeben, die ihren irdischen Maßstab anDinge legen wollen, welche von anderer als irdischer Natur sind, wenn ich auchmein Fragen und Forschen nach der Geschichte der sichtbaren Welt nur aufdiese Erde beschränke, welche mich trägt und nährt und deren sichtbarer Ober-herr der Mensch ist, so erschrecken mich selbst hier im väterlichen Hause dieFußtapfen einer Vorwelt, auf deren riesenhafte Formen die zwergartige Gegen-wart mit ohnmächtigem Staunen hinabschaut, und von deren alten, längst aus-gestorbenen Geschlechtern kein noch überlebender Nachkomme, keine Ur-kunde der Mitlebenden die Geschichte kennet. Und diese für mein Forschenschon lang zu alte Vorwelt erscheint nur als das jüngste Erzeugnis ihres Welten-tages, auf den äußersten Trümmern einer noch anderen Urwelt gebettet, zuderen Äonen, wie es scheint, die Jahrtausende meines Geschlechts nur wenige,noch übergelassene Augenblicke sind.

So begegnet der nach dem Anfang jenes endlos forttönenden Liedes der Schöp-fung forschende Geist allenthalben einer Vergangenheit, welche zu dem Men-schen saget: ich kenne dich nicht, und schon diese Nachbarberge, an welchendie Ströme der Völker und ihre Geschichte seit Jahrtausenden vorübergerauscht,ohne an ihren Felsenhäuptern eine bleibende Spur zu lassen, scheinen mein Ge-schlecht zu fragen: wo wärest du, als wir gegründet wurden, wo wärest du,als unsere Morgensterne zuerst diese annoch jugendlichen Höhen beschienen?Aber auch die noch jetzt um mich und mit mir lebende Gegenwart fragt mich:hast du auch das Haus des Lebens ergründet, aus welchem die Kräfte von obenherabkommen in die Formen der Leiblichkeit, um als Pflanze zu grünen, alsTier sich zu bewegen? Oder haben sich die Tore des Todes auf getan und duhast gesehen, wohin jene alle nach vollbrachtem Wandel ziehen? Bist du,o, du Gebundener, selbst nur in den Grund dieser deiner kleinen Meere gekom-men und hast in den Fußtapfen der Tiefe gewandelt?

Der Geist des Menschen erschrickt dennoch nicht vor jenen dunklen Tiefenseiner Vergangenheit und Gegenwart. Es ist ein Wort, welches zu den Men-schen gerichtet gewesen, ehe der Mensch war und ehe denn die Berge begrün-det und die Erde und die Welt geschaffen worden, und mein eigenes Wesenist ein Abbild und Gleichnis jenes Wortes und ein Inbegriff der ganzen Welt,welche durch dasselbige geworden. So werde ich diese Welt kennen, wenn ichmich selber und wenn ich jenes Wort kenne.

Jenes Unvergängliche, das in mir denkt und sinnet, denkt und sinnet auch inder ganzen mich umgebenden Sichtbarkeit; denn ich begegne, wohin ich sehe,meinem eigenen Wesen nahe befreundet, einem ewigen Gesetz des Denkens,einer Sorge, welche das Einzelne und Verlassene bedenkt, und wie mein Willedas ganze Gebäu der Glieder belebt und bewegt, so bewegt und belebt ein all-umfassender, verwandter Wille das ganze Gebäu der Natur und seine einzelnenLebendigen.

So lernet mein Wesen, wenn es mit offenem Auge die Welt um sich her be-trachtet, in ihr sein eigenes, verborgenes Inneres mehr und mehr verstehen,

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