Indem jene Anfänge der Materie tot waren, war der Tod als Prinzip, das Lebenaber als Abgeleitetes beschlossen.
Nachdem die Materie diesem Tode sich gefügt hatte, so blieb, um den letztenZeugen ihres Lebens zu verbannen, nichts übrig, als jenen allgemeinen Geistder Natur, die Form aller Formen, das Licht, zu einem gleichen körperlichenWesen zu machen und mechanisch, wie alles, zu trennen, da auf diese Weisedas Leben in allen Organen des Ganzen erloschen und auch die lebendigen Er-scheinungen der Körper untereinander auf tote Bewegungen zurückgeführtwaren, so war nun der höchste und letzte Gipfel übrig, nämlich der Versuch,diese bis in ihr Innerstes erstorbene Natur mechanisch ins Leben zurückzu-rufen, welches Bestreben in den nachfolgenden Zeiten Materialismus hieß,und wenn der Wahnsinn desselben nicht so viel vermochte, die, welche ihnerkannten, zur ersten Quelle zurückzuleiten, wenn er vielmehr nur dazu diente,den Tod der Materie noch weiter zu bestätigen und außer allen Zweifel zu setzen,so hat er statt dessen eine Roheit der Vorstellung von der Natur und ihremWesen hervorgebracht, in bezug auf welche jene sonst roh genannten Völkerehrwürdig werden, welche die Sonne, die Gestirne, das Licht oder Tiere odereinzelne Naturkörper anbeteten. (Schelling, Bruno oder über das göttlicheund natürliche Prinzip der Dinge, 1802.)
HERR UND KNECHT?
Der Stein scheint uns reeller als das Wasser, das ja verdunstet und vertrocknet,und doch wird der Stein vom Wasser zerstört. Holz, und zwar das schwerste,wird vom Feuer gefressen, welches wir weghauchen können. Die Flamme kannEisen schmelzen und Demant zerbrechen, aber dem Lichtstrahl hat sie nichtsan, sondern vermehrt nur seine Herrlichkeit, indem sie mit ihm leuchtet oderneben ihm verfinstert erscheint. Die Luft scheint das Nichtigste und kann Allesverderben. Zwar leiht die Dichtheit oder Zähheit einem Stoff längere Dauer,durch diese zufälligen Eigenschaften wird er dem Unvergänglichen näher ge-bracht, aber derselbe Stoff, wenn er ausgelockert ist, zeigt, wie nichtig er sei.Er hat nur eine Veränderung in der Lage und Verbindung seiner Teile gelitten,ist folglich derselbe zuvor gewesen im verdichteten Zustande, der er jetzt ist, ja,er war durch den Widerstand, welchen er leistete, zerstörbarer als weichereKörper, daher er eben so zerfiel. Scheidewasser läßt eine Fettigkeit, als einedles leichtes Wesen, liegen und löst schwere Metallmassen auf. Jeder Stoffhat in der Natur seinen Geist, der ihn meistert, so flüchtig er auch ist. Wie nundas Feinkörperliche, das ans Geistige grenzt, Macht hat über das Gröbere, so hatdas Geistige selbst Macht über alles Körperliche und ist das eigentliche Wesent-liche, obwohl uns unsichtbar. Das Geistige ist der Wirker aus dem Reiche derFreiheit. Der nächste Wirker, der uns noch gewissermaßen in die Sinne fälltund einen Übergang macht zwischen den zwei Welten, ist der tätige und dochgebundene Naturgeist, der, wenn er aus einem Gefängnis entschlüpft, alsbaldwieder in ein anderes eilen muß, hat er sich von einer verwesenden Pflanzeoder einem Tierstoff losgerissen, so muß er wieder in einer anderen Form dasWerk des Treibens, Blühens und Fruchtbringens verrichten oder sich in Fleisch
18 Wolters, Der Deutsche. V, 2.
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