EWIGER STOFF UND MENSCHLICHE ANSCHAUUNGEs ist Ein Licht, das in allem leuchtet, und Eine Schwerkraft, welche dort dieKörper den Raum erfüllen lehrt, dort den Hervorbringungen des Denkens Be-stand und Wesen gibt. Jenes ist der Tag, diese die Nacht der Materie. So un-endlich ihr Tag ist, so unendlich auch ihre Nacht. In diesem allgemeinen Lebenentsteht keine Form äußerlich, sondern durch innere, lebendige und von ihremWerk ungetrennte Kunst. Es ist Ein Verhängnis aller Dinge, Ein Leben, EinTod, nichts schreitet vor dem anderen heraus, es ist nur Eine Welt, Eine Pflanze,von der alles, was ist, nur Blätter, Blüten und Früchte, jedes verschieden, nichtdem Wesen, sondern der Stufe nach, Ein Universum, in Ansehung desselbenaber alles herrlich, wahrhaft göttlich und schön, es selbst aber unerzeugt ansich, gleich ewig mit der Einheit selbst, eingeboren, unverwelklich.Da es zu jeder Zeit ganz, vollkommen, die Wirklichkeit in ihm der Möglichkeitangemessen, nirgends ein Mangel, ein Gebrechen, so ist nichts vorhanden, wo-durch es aus seiner unsterblichen Ruhe gerissen werden könnte. Es lebt einunveränderliches, sich immer gleiches Sein. Alle Tätigkeit und Bewegung istnur eine Betrachtungsweise des Einzelnen und als solche nur Fortsetzungjenes absoluten Seins, unmittelbar hervorquillend aus seiner tiefsten Ruhe.Sowenig es sich bewegen kann, denn aller Raum und alle Zeit, worin es sich be-wegen sollte, ist in ihm, es selbst aber in keiner Zeit begriffen und keinemRaum, ebensowenig kann es seine innerliche Gestalt wandeln, denn auch alleVerwandlung, Veredlung und Verunedlung der Formen ist nur in der Be-trachtung des Einzelnen, könnten wir es aber im Ganzen erblicken, so würdees dem entzückten trunkenen Auge ein stets unveränderlich heiteres, sich selbstgleiches Antlitz zeigen.
Von jenem Wechsel aber, der bei dem Unvergänglichen ist, kann man wedersagen, daß er angefangen, noch daß er nicht angefangen habe. Denn er istabhängig vom Ewigen, nicht der Zeit, sondern der Natur nach. Er ist alsoauch nicht endlich der Zeit, sondern dem Begriff nach, das heißt: er ist ewigendlich. Dieser ewigen Endlichkeit aber kann niemals eine Zeit angemessensein, sowenig eine solche, die angefangen, als die nicht angefangen hat.Die Zeit aber, die alles getötet hat, und jenes besondere Alter der Welt, das dieMenschen gelehrt hat, das Endliche von dem Unendlichen, den Leib von derSeele, das Natürliche von dem Göttlichen zu trennen, beide aber in zwei ganzverschiedene Welten zu verbannen, hat auch jene Lehre in das allgemeineGrab der Natur und den Tod aller Wissenschaften verschlungen.Nachdem nun vorerst die Materie getötet, das rohe Bild an die Stelle des Wesensgesetzt war, so ging es von selbst weiter bis zu der Meinung, daß alle Formender Materie äußerlich aufgedrückt seien. Da sie nur äußerlich wären und außerihnen nichts Unvergängliches, so mußten sie auch unveränderlich bestimmtsein. Auf diese Weise wurde die innere Einheit und Verwandtschaft aller Dingevernichtet, die Welt in eine unendliche Menge fixierter Verschiedenheitenzersplittert, bis sich von hier aus die allgemeine Vorstellung bildete, nach wel-cher das lebendige Ganze einem Behältnis oder einem Wohngemach gleicht,worein die Dinge gestellt sind, ohne aneinander teilzunehmen und ohne daßeins in dem anderen lebte oder wirkte.
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