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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Lichts, lehrten die Farben zu reizenden Bildungen sich mischen und ordnenund Wald und Wiese, Quellen und Felsen wieder zu lieblichen Gärten zusammenzu treten, hauchten in die lebendigen Glieder Töne, um sie zu entfalten undin heiteren Schwingungen zu bewegen, nahmen sich der armen, verlassenen,für Menschensitte empfänglichen Tiere an und säuberten die Wälder von denschädlichen Ungeheuern. Bald lernte die Natur wieder freundlichere Sitten, sieward sanfter und erquicklicher und ließ sich willig zur Beförderung dermenschlichen Wünsche finden. Allmählich fing ihr Herz wieder an, mensch-lich sich zu regen, ihre Phantasien wurden heiterer, sie ward wieder umgäng-lich und antwortete dem freundlichen Frager gern, und so scheint allmählichdie alte goldene Zeit zurückzukommen, in der sie den Menschen Freundin,Trösterin, Priesterin und Wundertäterin war, als sie unter ihnen wohnte undein himmlischer Umgang die Menschen zu Unsterblichen machte. Dann wer-den die Gestirne die Erde wieder besuchen, der sie gram geworden waren injenen Zeiten der Verfinsterung, dann legt die Sonne ihren strengen Zepternieder und wird wieder Stern unter Sternen, und alle Geschlechter der Weltkommen dann nach langer Trennung wieder zusammen. Dann finden sich diealten verwaisten Familien, und jeder Tag sucht neue Begrüßungen, neue Um-armungen, dann kommen die ehemaligen Bewohner der Erde zu ihr zurück,in jedem Hügel regt sich neu erglimmende Asche, überall lodern Flammendes Lebens empor, alte Wohnstätten werden neu erbaut, alte Zeiten erneuert,und die Geschichte wird zum Traum einer unendlichen, unabsehlichen Gegen-wart.

Wer dieses Stammes und dieses Glaubens ist, und gern auch das seinige zudieser Entwilderung der Natur beitragen will, geht in den Werkstätten derKünstler umher, belauscht überall die unvermutet in allen Ständen hervor-brechende Dichtkunst, wird nimmer müde die Natur zu betrachten und mit ihrumzugehen, geht überall ihren Fingerzeigen nach, verschmäht keinen müh-seligen Gang, wenn sie ihm winkt, und sollte er auch durch Modergrüfte gehen.--------Langer, unablässiger Umgang, freie und künstliche Betrachtung, Auf-merksamkeit auf leise Winke und Züge, ein inneres Dichterleben, geübte Sinne,ein einfaches und gottesfürchtiges Gemüt, das sind die wesentlichen Erforder-nisse eines echten Naturfreundes, ohne welche keinem sein Wunsch gedeihenwird. Nicht weise scheint es, eine Menschenwelt ohne volle aufgeblühte Mensch-heit begreifen und verstehen zu wollen, kein Sinn muß schlummern, und wennauch nicht alle gleich wach sind, so müssen sie doch alle angeregt und nichtunterdrückt und erschlafft sein. So wie man einen künftigen Maler in demKnaben sieht, der alle Wände und jeden ebenen Sand mit Zeichnungen fülltund Farben zu Figuren bunt verknüpft, so sucht man einen künftigen Welt-weisen in jenem, der allen natürlichen Dingen ohne Rast nachspürt, nach-trägt, auf alles achtet, jedes Merkwürdige zusammenträgt und froh ist, wenner einer neuen Erscheinung, einer neuen Kraft und Kenntnis Meister und Be-sitzer geworden ist. (Novalis, Die Lehrlinge zu Sa'is, 1798.)

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