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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Kräfte gibt; denn die Kunst und Tätigkeit der Menschen, so viel sie schon getanhat und tun kann, kann doch Lebendiges nicht hervorbringen, den Urstoff, densie umwandelt, bearbeitet, nicht selbst erschaffen, sie kann die schaffendeKraft entwickeln, aber die Kraft selbst ist ewig und nicht der MenschenhändeWerk. (Hölderlin, Brief von I799-)

DER GEISTIGE GEBIETER

Die Philosophie lehrt uns alles im Ich aufsuchen. Erst durch das Ich kommtOrdnung und Harmonie in die tote, formlose Masse. Allein vom Menschenaus verbreitet sich Regelmäßigkeit rund um ihn herum bis an die Grenzenseiner Beobachtung, und wie er diese weiter vorrückt, wird Ordnung undHarmonie weiter vorgerückt. Seine Beobachtung weist dem bis ins Unend-liche Verschiedenen, jedem seinen Platz an, daß keines das andere ver-dränge, sie bringt Einheit in die unendliche Verschiedenheit. Durch sie haltensich die Weltkörper zusammen und werden nur ein organisierter Körper, durchsie drehen die Sonnen sich in ihren angewiesenen Bahnen. Durch das Ich stehtdie ungeheure Stufenfolge da von der Flechte bis zum Seraph, in ihm ist dasSystem der ganzen Geisterwelt, und der Mensch erwartet mit Recht, daß dasGesetz, das er sich und ihr gibt, für sie gelten müsse, erwartet mit Recht dieeinstige allgemeine Anerkennung desselben. Im Ich liegt das sichere Unter-pfand, daß von ihm aus eine unendliche Ordnung und Harmonie sich verbreitenwerde, wo jetzt noch keine ist, daß mit der fortrückenden Kultur des Menschenzugleich die Kultur des Weltalls fortrücken werde. Alles, was jetzt noch un-förmlich und ordnungslos ist, wird durch den Menschen in die schönste Ord-nung sich auflösen, und was jetzt schon harmonisch ist, wird nach bis jetztunentwickelten Gesetzen immer harmonischer werden. Der Mensch wirdOrdnung in das Gewühl und einen Plan in die allgemeine Zerstörung hinein-bringen, durch ihn wird die Verwesung bilden und der Tod zu einem neuenherrlichen Leben rufen. Das ist der Mensch, wie wir ihn bloß als beobach-tende Intelligenz ansehen, was ist er erst, wenn wir ihn als praktischtätigesVermögen denken I Er legt nicht nur die notwendige Ordnung in die Dinge, ergibt ihnen auch diejenige, die er sich willkürlich wählte; da, wo er hintritt, er-wacht die Natur, bei seinem Anblicke bereitet sie sich zu, von ihm die neueschönere Schöpfung zu erhalten. Schon sein Körper ist das Vergeistigste,was aus der ihn umgebenden Materie gebildet werden konnte, in seinem Dunst-kreise wird die Luft sanfter, das Klima milder, und die Natur erheitert sichdurch die Erwartung, von ihm in einen Wohnplatz und in eine Pflegerin leben-der Wesen umgewandelt zu werden. Der Mensch gebietet der rohen Materie,sich nach seinem Ideal zu organisieren und ihm den Stoff zu liefern, dessen erbedarf. Ihm schießt das, was vorher kalt und tot war, in das nährende Korn,in die erquickende Frucht, in die belebende Traube herauf, und sie wird ihmin etwas anderes heraufschießen, sobald er ihr anderes gebieten wird. Um ihnherum veredeln sich die Tiere, legen unter seinem gescheueten Auge ihre Wild-heit ab und empfangen eine gesündere Nahrung aus der Hand ihres Gebieters,die sie ihm durch willigen Gehorsam vergüten. (Fichte, Über die Würde desMenschen, 1794.)

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