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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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schaft, Kunst, Religion? weil der Mensch es besser haben wollte, als er es vor-fand. Auch wenn sie sich untereinander mutwillig aufreiben, es ist, weilihnen das Gegenwärtige nicht genügt, weil sie es anders haben wollen, und sowerfen sie sich früher ins Grab der Natur beschleunigen den Gang der Welt.So gehet das Größte und Kleinste, das Beste und Schlimmste der Menschenaus einer Wurzel hervor, und im Ganzen und Großen ist alles gut und jeder er-füllt auf seine Art, der eine schöner, der andere wilder, seine Menschenbestim-mung, nämlich die, das Leben der Natur zu vervielfältigen, zu beschleunigen,zu sondern, zu mischen, zu trennen, zu binden. Man kann wohl sagen, jenerursprüngliche Trieb, der Trieb des Idealisierens oder Beförderns, Verarbeitens,Entwickeins, Vervollkommnens der Natur belebe jetzt die Menschen größten-teils in ihren Beschäftigungen nicht mehr, und was sie tun, das tun sie aus Ge-wohnheit, aus Nachahmung, aus Gehorsam gegen das Herkommen, aus der Not,in die sie ihre Vorväter hineingearbeitet und gekünstelt haben. Aber um so fort-zumachen, wie die Vorväter es anfingen, auf dem Wege des Luxus, der Kunst,der Wissenschaft usw., müssen die Nachkömmlinge eben diesen Trieb in sichhaben, der die Vorväter beseelte, sie müssen, um zu lernen, organisiert seinwie die Meister, nur fühlen die Nachahmenden jenen Trieb schwächer, und erkommt nur in den Gemütern der Originale, der Selbstdenker, der Erfinder le-bendig zum Vorschein. Du siehest, Lieber, daß ich dir das Paradoxon aufge-stellt habe, daß der Kunst- und Bildungstrieb mit allen seinen Modifikationenund Abarten ein eigentlicher Dienst sei, den die Menschen der Natur erweisen.Aber wir sind schon lange darin einig, daß alle die irrenden Ströme der mensch-lichen Tätigkeit in den Ozean der Natur laufen, so wie sie von ihm ausgehen.Und eben diesen Weg, den die Menschen größtenteils blindlings, oft mit Un-mut und Widerwillen und nur zu oft auf gemeine, unedle Art gehen, diesen Wegihnen zu zeigen, daß sie ihn mit offenen Augen und mit Freudigkeit und Adelgehen, das ist das Geschäft der Philosophie, der schönen Kunst, der Religion,die selbst auch aus jenem Triebe hervorgehen. Die Philosophie bringt jenenTrieb zum Bewußtsein, zeigt ihm sein unendliches Objekt im Ideal und stärktund läutert ihn durch dieses. Die schöne Kunst stellt jenem Triebe sein un-endliches Objekt in einem lebendigen Bilde, in einer dargestellten höheren Weltdar, und die Religion lehrt ihn jene höhere Welt gerade da, wo er sie suchtund schaffen will, das heißt in der Natur, in seiner eigenen und in der rings-umgebenden Welt, wie eine verborgene Anlage, wie einen Geist, der entfaltetsein will, ahnden und glauben.

Philosophie und schöne Kunst und Religion, diese Priesterinnen der Natur,wirken demnach zunächst auf den Menschen, sind zunächst für diesen da undnur, indem sie seiner reellen Tätigkeit, die unmittelbar auf die Natur wirkt, dieedle Richtung und Kraft und Freude geben, wirken auch jene auf die Naturund wirken mittelbar auf sie reell. Auch dieses wirken jene drei, besonders dieReligion, daß sich der Mensch, dem die Natur zum Stoffe seiner Tätigkeit sichhingibt, den sie, als ein mächtig Triebrad, in ihrer unendlichen Organisationenthält, daß er sich nicht als Meister und Herr derselben dünke und sich inaller seiner Kunst und Tätigkeit bescheiden und fromm vor dem Geiste derNatur beuge, den er in sich trägt, den er um sich hat und der ihm Stoff und

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