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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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MENSCH UND ALLNATUR

Nachdem so mein Herz aller Begier nach dem Irdischen verschlossen ist, nach-dem ich in der Tat für das Vergängliche gar kein Herz mehr habe, erscheintmeinem Auge das Universum in einer verklärten Gestalt. Die tote lastendeMasse, die nur den Raum ausstopfte, ist verschwunden, und an ihrer Stellefließt und woget und rauscht der ewige Strom von Leben und Kraft und Tatvom ursprünglichen Leben, von deinem Leben, Unendlicher: denn alles Lebenist dein Leben, und nur das religiöse Auge dringt ein in das Reich der wahrenSchönheit.

Ich bin dir verwandt, und was ich rund um mich herum erblicke, ist mir ver-wandt, es ist alles belebt und beseelt und blickt aus hellen Geisteraugen michan und redet mit Geistertönen an mein Herz. Auf das mannigfaltigste zerteiltund getrennt, schaue in allen Gestalten außer mir ich selbst mich wieder undstrahle mir aus ihnen entgegen, wie die Morgensonne in tausend Tautropfenmannigfaltig gebrochen sich selbst entgegen glänzt.

Dein Leben, wie es der Endliche zu fassen vermag, ist sich selbst schlechthindurch sich selbst bildendes und darstellendes Wollen, dieses Leben fließtim Auge des Sterblichen mannigfach versinnlicht durch mich hindurchherab in die ganze unermeßliche Natur. Hier strömt es, als sich selbst schaf-fende und bildende Materie, durch meine Adern und Muskeln hindurch undsetzt außer mir seine Fülle ab im Baume, in der Pflanze, im Grase. Ein zu-sammenhängender Strom, Tropfe an Tropfe, fließt das bildende Leben in allenGestalten und allenthalben, wohin ihm mein Auge zu folgen vermag, undblickt mich an aus jedem Punkte des Universums anders als dieselbeKraft, durch die es in geheimem Dunkel meinen eigenen Körper bildet. Dortwoget es frei und hüpft und tanzet als sich selbst bildende Bewegung im Tiereund stellt in jedem neuen Körper sich dar, als eine andere eigene, für sich be-stehende Welt: dieselbe Kraft, welche mir unsichtbar, in meinen eigenen Glied-maßen sich reget und bewegt. Alles, was sich regt, folgt diesem allgemeinenZuge, diesem einigen Prinzip aller Bewegung, das von einem Ende des Uni-versums zum anderen die harmonische Erschütterung fortleitet: das Tier ohneFreiheit, ich, von welchem in der sichtbaren Welt die Bewegung ausgeht, ohnedaß sie darum in mir gegründet sei, mit Freiheit.

Aber rein und heilig und deinem eigenen Wesen so nahe, als im Auge desSterblichen etwas ihm sein kann, fließet dieses dein Leben hin als Band, dasGeister mit Geistern in Eins verschlingt, als Luft und Äther der einen Vernunft-welt, undenkbar und unbegreiflich, und doch offenbar darliegend vor demgeistigen Auge. In diesem Lichtstrome fortgeleitet schwebt der Gedanke, un-aufgehalten und derselbe bleibend, von Seele zu Seele und kommt reiner undverklärt zurück aus der verwandten Brust. Durch dieses Geheimnis findet derEinzelne sich selbst und versteht und liebt sich selbst nur in einem anderen,Und jeder Geist wickelt sich los nur von anderen Geistern, und es gibt keinenMenschen, sondern nur eine Menschheit, kein einzelnes Denken und Lieben undHassen sondern nur in- und durcheinander. Durch dieses Geheimnis strömt dieVerwandtschaft der Geister in der unsichtbaren Welt fort bis in ihre körperliche

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