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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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chischer Phantasie! Und wie hat nun Ceres diese fischwimmelnde Quelle zumLohn für ihr Tränen um Proserpina geschmückt! An ihren ewig grünendenUfern wächst die seltsame Papyrusstaude I Es ist der einzige Ort in Europa, wosie in der Wildnis gefunden wird, seitdem sie vom Ufer des Orethos bei Palermoverschwand. Ich war ganz außer mir vor Freude, als ich nun wirklich die erstenPapyrusstauden vor mir sah, aus der bläulichen Flut fremd aufsprießend, ver-lorene Kinder des Nils. Die schöne Binse erhebt sich aus dem Wasser jung-fräulich graziös, schlank, in schönster Linie gebogen, etwa 15 Fuß hoch, drei-kantig und glatt und von herrlich glänzendem Dunkelgrün. Aber auf der Spitzeüberkraust sie eine reiche volle Krone von zahllosen grünen Fasern, welchefein und feiner wie geknotete Fäden und gleich strömendem Haar lang herab-hängen. Das Volk nennt die Büschel recht treffend la Perrucca. Diese so zier-liche Gestalt des seltsamsten Gewächses, der wahren Papiernymphe der Ge-lehrsamkeit, ist für uns vom Cimmerischen Norden kommende Wanderer über-raschend genug. Ganz mythisch wird ihre Erscheinung, wenn diese Staudenals dichtes Gebüsch beisammenstehen, in malerischer Verwirrung durchein-ander aufgeschossen, große und kleine, königlich ragende alte und ganz zartejunge Pflanzen, alle die phantastischen Kronenbüschel träumerisch gesenktund in der azurblauen Flut der Cyane sich spiegelnd. Da ist wie unter Zauberalles Hellenische aus der Seele geschwunden, und die Phantasie steht plötzlicham rätselhaften und weisen Nil, vor den Pyramiden und Sphinxen, vor denMumien und wunderlich beschriebenen Papyrusrollen. An dem Rand dersyrakusischen Cyane, auf hellenischem Boden schien mir diese Staude selbstwie eine Mythe dazustehen, wie jene nämlich, welche sagt, daß aller Urgrundder Kultur und Literatur aus dem fabelhaften Ägypten herübergekommen sei.So blickte ich bald auf diese Papyruspflanzen und bald auf jene noch herab-schauenden dorischen Säulen des olympischen Zeus, und sie erschienen mirbeide hier wie Sinnbilder abendländisch-morgenländischer Kultureinheit.(Ferdinand Gregorovius, Siciliana, 1861.)

KRETA

Nachdem wir einige Stunden durch wohlangebaute und reich bewaldete Berg-gegenden geritten waren, wo uns häufig Lorbeer- und Orangengruppen mittenin einem Rübenfelde überraschten, kamen wir in das Tal der Myrthen, eineweite Plaine, die ganz mit diesem lieblichen Strauch von allen Sorten undGrößen angefüllt ist, bald voll Blüten hängend, bald unter einer Anzahl blauerBeeren niedergedrückt. Von hier führte uns der schmale Fußsteig in ausge-dehnte Olivenpflanzungen, zwischen welchen mehrere Dörfer liegen. Von denHöfen darüber eröffnen sich die mannigfaltigsten Prospekte, nur nach und nachwird die Gegend einsamer, bleibt jedoch noch immer üppig, dann treffen dieFelsen näher zusammen, man sieht das Flußbett tief zu seinen Füßen, und nunerst ist man am Ziel. Der prächtige Wein- und Platanenwald, den wir jetztjenseits und diesseits des Flusses im Tale vor uns ausgebreitet sahen, hatteschon den größten Teil seines Laubes verloren, und sein grüner Teppich, denim Frühjahr und Sommer tausende von Blumen schmücken, bot deren jetzt

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