großen ausgemauerten Gewölben zu verwahren. Über den bürgerlichen undkirchlichen Zustand erzählte mir der gute Alte gar manches. Ich hörte vonnichts, was nur einigermaßen in Aufnahme wäre. Das Gespräch schickte sichrecht gut zu den unaufhaltsam verwitternden Trümmern. (Goethe, ItalienischeReise, 1816/1817.)
CYANE
Es führte von der Neapolis die helorische Straße durch den Sumpf Lysimeliaund Syraka, und eine Brücke über den Anapus, auf dessen anderer Seite sichder Flügel Polychne erhebt. Auf ihm stand der Tempel des olympischen Zeusund ein Ort, Olympikon genannt. Diese Gegend ist aus der Kriegsgeschichtevon Syrakus bekannt genug, denn sowohl die Athener, als zu wiederholtenMalen die Karthager lagerten sich um das Olympikon bis hinauf nach demBecken der Quelle Cyane, und jedesmal raffte die aus dem Sumpf aufsteigendePest die Heere hin. Die wenigen zersplitterten Säulen, welche noch von demOlympikon auf jenem nun ganz öden Hügel stehen geblieben sind, sieht manauf Miglienweite, sie und jene Säule am Brunnen degli Ingegneri sind heutedie einzigen frei stehenden Säulenreste, die auf dem Stadtgebiet von Syrakusin die Augen fallen.
Um dorthin und nach dem Anapus zu gelangen, schifft man von der Insel ineiner Barke über den herrlichen großen Hafen und läßt sich dann in den ver-sumpften Fluß rudern. Er mündet unterhalb einer Brücke ins Meer. Je weiterman ihn hinauffährt, desto mehr verengt er sich, bis ihn zuletzt die Barke imvollen Sinne des Wortes ausfüllt. Die Ruder werden deshalb weggelegt, dieBootsleute stoßen den Kahn teils mit mächtigen Rohrstangen fort, teils ziehensie ihn stark angestrengt am Tau weiter. Zu beiden Seiten ist der Fluß mitzwanzig Fuß hohem Schilf von prächtiger Fülle dicht bewachsen, um diese bei-nahe armdicken Rohre schlingen sich Wasserlianen wie um Bäume, und Rankenblühender Gewächse ringeln sich in wildverworrenen Girlanden herüber undhinüber. Der mystische Geruch der Wildnis und des Wassers dringt so scharfauf die Sinne ein, wie die schwüle, unbewegte Luft. Man glaubt sich hier ineine tropische Flußlandschaft versetzt, so erstaunlich ist die Fülle des Pflanzen-wuchses. Dabei flattern Hunderte von fremden, buntbeschwingten Wasser-vögeln umher, oder sie streifen spielend über die Wellen wie die Schwalben. DerAnapus teilt sich bald oberhalb der helorischen Straße, oder es strömt vielmehrin ihn jene klassische blaue Cyane ein, welche dem runden klaren Wasser-becken La Pisma entspringt. Nach der Sage warf sich hier die Nymphe Cyanedem Pluton entgegen, als er Proserpina zur Unterwelt hinabführte, und sieward hierauf in die kornblumenblaue Quelle verwandelt. Alljährlich kamendie Syrakusier an die Cyane und feierten das Gedächtnisfest Proserpinas durchOpfer, da im Namen des Volks ein Stier und eine Kuh in den Teich des Quellsversenkt ward. Wahrlich, dies Lokal ist ganz wunderbar, so von dem ver-schattenden, immer flüsternden Röhricht mitten auf der Welle umwölbt, sitztman da wie im Traume, in die lieblichste Mythe versenkt. Wie wurden mir daalle jene Reliefs alter Sarkophage, welche den Raub der Proserpina darstellen,lebfc n< iig ) wie Arabesken umschwebten mich hier diese reizenden Gebilde grie-
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