wesen, dem Gips die Farbe des verwitterten Steins zu geben. Sieht man freilichden so leicht sich bröckelnden Muschelkalk der Säulen und Mauern, so wundertman sich, daß er noch so lange gehalten. Aber die Erbauer, hoffend auf eineähnliche Nachkommenschaft, hatten damals Vorkehrung getroffen: manfindet noch Überreste eines feinen Tünchs an den Säulen, der zugleich demAuge schmeicheln und die Dauer verbürgen sollte.
Die nächste Station ward sodann bei den Ruinen des Jupitertempels gehalten.Dieser liegt weit gestreckt wie die Knochenmasse eines Riesengerippes, inner-und unterhalb mehrerer kleinen Besitzungen, von Zäunen durchschnitten,von höheren und niederen Pflanzen durchwachsen. Alles Gebildete ist ausdiesen Schutthaufen verschwunden außer einem ungeheueren Triglyph undeinem Stück einer demselben proportionierten Halbsäule. Jenen maß ich mitausgespannten Armen und konnte ihn nicht erklaftern, von der Kannelierungder Säule hingegen kann dies einen Begriff geben, daß ich, darin stehend, die-selbe als eine kleine Nische ausfüllte, mit beiden Schultern anstoßend. Zwei-undzwanzig Männer, im Kreise nebeneinander gestellt, würden ungefähr diePeripherie einer solche Säule bilden.
Der Tempel des Herkules hingegen ließ noch Spuren vormaliger Symmetrieentdecken. Die zwei Säulenreihen, die den Tempel hüben und drüben be-gleiteten, lagen in gleicher Richtung, wie auf einmal zusammenhingelegt, vonNorden nach Süden, jene einen Hügel hinaufwärts, diese hinabwärts. DerHügel mochte aus der zerfallenen Zelle entstanden sein. Die Säulen, wahr-scheinlich durch das Gebälk zusammengehalten, stürzten auf einmal, viel-leicht durch Sturmwut niedergestreckt, und sie liegen noch regelmäßig, in dieStücke, aus denen sie zusammengesetzt waren, zerfallen.Der Tempel des Äskulap, von dem schönsten Johannisbrotbaum beschattet undin ein kleines feldwirtschaftliches Haus beinahe eingemauert, bietet ein freund-liches Bild.
Nun stiegen wir zum Grabmal Therons hinab und erfreuten uns der Gegenwartdieses so oft nachgebildet gesehenen Monuments, besonders da es uns zum Vor-grunde diente einer wundersamen Ansicht; denn man schaute von Westennach Osten an dem Felslager hin, auf welchem die lückenhaften Stadtmauernso wie durch sie und über ihnen die Reste der Tempel zu sehen waren. — —Auf eine schöne Anstalt der alten mächtigen Stadt machte mich mein Führeraufmerksam. In den Felsen und Gemäuermassen, welche Girgenti zum Boll-werk dienten, finden sich Gräber, wahrscheinlich den Tapfern und Guten zurRuhestätte bestimmt. Wo konnten diese schöner, zu eigener Glorie und zuewig lebendiger Nacheifrung beigesetzt werden!
In dem weiten Räume zwischen den Mauern und dem Meere finden sich nochdie Reste eines kleinen Tempels als christliche Kapelle erhalten. Auch hiersind Halbsäulen mit den Quaderstücken der Mauer aufs schönste verbundenUnd beides ineinander gearbeitet, höchst erfreulich dem Auge. Man glaubtgenau den Punkt zu fühlen, wo die dorische Ordnung ihr vollendetes Maß er-halten hat.
Manches unscheinbare Denkmal des Altertums ward obenhin angesehen, so-dann mit mehr Aufmerksamkeit die jetzige Art, den Weizen unter der Erde in
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