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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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und Ranken hinabzubegeben; denn unser Führer, ein kleiner guter Welt-geistlicher, ersuchte uns, vor allen Dingen diesen Tag der Stadt zu widmen.Erst ließ er uns die ganz wohlgebauten Straßen beschauen, dann führte er unsauf höhere Punkte, wo sich der Anblick durch größere Weite und Breite nochmehr verherrlichte, sodann zum Kunstgenuß in die Hauptkirche. Diese ent-hält einen wohlerhaltenen Sarkophag, zum Altar gerettet: Hippolyt mit seinenJagdgesellen und Pferden wird von der Amme Phädras aufgehalten, die ihmein Täfelchen zustellen will. Hier war die Hauptabsicht, schöne Jünglingedarzustellen, deswegen auch die Alte, ganz klein und zwergenhaft, als einNebenwerk, das nicht stören soll, dazwischen gebildet ist. Mich dünkt, vonhalberhabener Arbeit nichts Herrlicheres gesehen zu haben, zugleich voll-kommen erhalten. Es soll mir einstweilen als ein Beispiel der anmutigstenZeit griechischer Kunst gelten.

In frühere Epochen wurden wir zurückgeführt durch Betrachtung einer köst-lichen Vase von bedeutender Größe und vollkommener Erhaltung. Fernerschienen sich manche Reste der Baukunst in der neuen Kirche hie und da un-tergesteckt zu haben.

Auch den ganzen Abend wußte unser Führer die Ungeduld zu besänftigen, dieuns hinabwärts trieb, indem er uns abermals auf die Höhe zu herrlichen Aus-sichtspunkten führte und uns dabei die Übersicht der Lage gab aller der Merk-würdigkeiten, die wir morgen in der Nähe sehen sollten.Mit Sonnenaufgang wandelten wir nun hinunter, wo sich bei jedem Schritt dieUmgebung malerischer anließ. Mit dem Bewußtsein, daß es zu unserem Bestengereiche, führte uns der kleine Mann unaufhaltsam quer durch die reiche Vege-tation, an tausend Einzelheiten vorüber, wovon jede das Lokal zu idyllischenSzenen darbot. Hierzu trägt die Ungleichheit des Bodens gar vieles bei, dersich wellenförmig über verborgene Ruinen hinbewegt, die um so eher mitfruchtbarer Erde überdeckt werden konnten, als die vormaligen Gebäude auseinem leichten Muscheltuff bestanden. Und so gelangten wir an das östl cheEnde der Stadt, wo die Trümmer des Junotempels jährlich mehr verfallen, weileben der lockere Stein von Luft und Witterung aufgezehrt wird.Der Tempel steht gegenwärtig auf einem verwitterten Felsen. Von hier aus er-streckten sich die Stadtmauern gerade westwärts auf einem Kalklager hin, wel-ches senkrecht über dem flachen Strande, den das Meer, früher und später,nachdem es diese Felsen gebildet und ihren Fuß bespült, verlassen hatte. Teilsaus den Felsen gehauen, teils aus denselben erbaut waren die Mauern, hinterwelchen die Reihe der Tempel hervorragte. Kein Wunder also, daß der untere,der aufsteigende und der höchste Teil von Girgenti zusammen von dem Meereher einen bedeutenden Anblick gewährte.

Der Tempel der Concordia hat so vielen Jahrhunderten widerstanden, seineschlanke Baukunst nähert ihn schon unserem Maßstabe des Schönen und Ge-fälligen: er verhält sich zu denen von Pästum wie Göttergestalt zum Riesen-bilde. Ich will mich nicht beklagen, daß der neuere löbliche Vorsatz, dieseMonumente zu erhalten, geschmacklos ausgeführt worden, indem man dieLücken mit blendend weißem Gips ausbesserte, dadurch steht dieses MonumentaucK auf gewisse Weise zertrümmert vor dem Auge, wie leicht wäre es ge-

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