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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
241
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Luft, und der Ost quillt von einem krokusfarbenen Schein, die Berge fangenan zu atmen, sie heben und senken die Nebel wie Schwingen, dann wird es pur-purrot über dem Meer, und alle Lüfte rauchen von Purpurdampf. Der Orionaber verlöscht seine Kerzen, nach welcher seligen Götternacht!Da ist nun der Tempel von Segesta! Schon drei Miglien weit sahen wir ihn voruns, ein schöner Anblick, weil er, kaum Ruine zu nennen, sondern ganz auf-recht, mit allen Säulen und beiden Frontonen, einsam an der braunen Berg-seite steht und die wilde Gegend still und majestätisch überschaut. Der Weg,welcher dorthin führt, ein wenig betretener Hirtenpfad, war eine Miglie weitmit Aloeblumen besetzt. Wohl hunderte zu beiden Seiten erhoben aus ihremriesigen Blättergerüst die zwanzig Fuß hohen Blumenschafte und bildeten eineAllee, durch welche die Perspektive geradezu auf den Tempel führte. Dies be-rühmte Heiligtum steht auf einem nackten Hügel. Die gelbbraune, von dürrenDisteln bedeckte und von Ziegen umweidete Bergwildnis, die Einsamkeit, die Er-innerung an die alten trojanischen Sagen, die schönen Verse des Virgil, endlichjene Kriege der Segestaner mit Selinunt, welche die Expedition der Athenergegen Syrakus und so große geschichtliche Folgen nach sich zogen, beschäf-tigen hier die Phantasie. Die poetische Öde ringsumher übertrifft noch jenevon Pästum. Überall sagenvolle Atmosphäre und nebelsame Gestalt von My-then oder von Historie. Wenn man auf dem alten Theater sitzt, so ist derBlick in die blonde Wildnis zauberhaft und von tief tragischem Ernst. Manübersieht hier den Golf von Castellamare, dort die prächtigen Berge von Al-camo, zu Füßen aber liegt ein verwildertes Tal, welches der fabelhafte FlußKrimisos durchirrt, drüben steht der graualabasterne Berg von Calatafimi,einer Stadt, die schwarz und eintönig seinen Gipfel bedeckt. Wendet man sichwestwärts, so blickt über die gelben Hügel herauf ein blauduftiges, phanta-stisches Berghaupt. Dies ist der schöne Berg Eryx, der einst den Tempel derVenus trug. Auch das Ägadische Meer schimmert dort hyazinthenfarb hervorund lockt den Blick nach Karthago und die Phantasie in die punischen Kriegezurück. (Ferdinand Gregorovius, Siciliana, 1861.)

GIRGENTI

So ein herrlicher Frühlingsblick wie der heutige, bei aufgehender Sonne, warduns freilich nie durchs ganze Leben. Auf dem hohen, uralten Burgraume liegtdas neue Girgenti, in einem Umfang, groß genug, um Einwohner zu fassen.Aus unseren Fenstern erblicken wir den weiten und breiten sanften Abhangder ehemaligen Stadt, ganz von Gärten und Weinbergen bedeckt, unter derenGrün man kaum eine Spur ehemaliger großer bevölkerter Stadtquartiere ver-muten dürfte. Nur gegen das mittägige Ende dieser grünenden und blühendenFläche sieht man den Tempel der Concordia hervorragen, im Osten die wenigenTrümmer des Junotempels, die übrigen, mit den genannten in grader Linie ge-legenen Trümmer anderer heiliger Gebäude bemerkt das Auge nicht von oben,sondern eilt weiter südwärts nach der Strandfläche, die sich noch eine halbeStunde bis gegen das Meer erstreckt. Versagt ward heute, uns in jene so herr-lich grünenden, blühenden, fruchtversprechenden Räume zwischen Zweige

17 Wolters, Der Deutsche. V, 2. -.,