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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Tempeldächern nagte der blühende Totenkranz aus Epheu, und noch glühtenlebendige Ranunkeln um eingesenkte Kapitaler. Die Quelle murmelte ge-schwätzig und ewig, und die Sterne schaueten fest herunter mit unvergäng-lichen Strahlen auf die stille Walstatt, worüber der Winter der Zeit gegangen,ohne einen Frühling nachzuführen die feurige Weltseele war aufgeflogen,und der kalte zerstückte Riese lag umher, auseinandergerissen waren dieRiesenspeichen des Schwungrads, das einmal der Strom der Zeiten selbertrieb. Und noch dazu goß der Mond sein Licht wie ätzendes Silberwasser aufdie nackten Säulen und wollte das Coliseo und die Tempel und alles auflösenin ihre eigenen Schattenl (Jean Paul, Titan, 1800/1803.)

NEAPEL

Die Stadt selbst sieht man hier am wahrsten und besten, sie ist so recht ein Sitzdes Vergnügens, voll Adel, voll der lebhaftesten Menschen, rundum in Schön-heit und Fruchtbarkeit! Zu strenger und erhabener Weisheit ists fast nichtmöglich, hier zu gelangen. Zur Linken die reizende Küste von Sorrent, danndie Fahrt nach Elysium Sizilien, dann die Insel der Freuden des Tiberius,Capri, dann die unendlichen Gewässer breit und offen, wo sich das Auge ver-liert, und daneben und darüber hin die alten Feuerauswürfe der Insel Ischiaund Trocida, und den entzückenden Strich Hügel des Pausilipp, und das Ge-birg der Kamaldolenser, welche bezaubernde Mannigfaltigkeit! Darunterwieder das Gemisch von unzählbaren Felsenhütten von Neapel, wo einehalbe Million Menschen sich gütlich tun, und bei uns, hinter dem schüchternenPortici, in schrecklicher Majestät Vesuv. Ein echter wonneschäumenderBecher rundum dieser große Meerbusen I

Hier schwimmt alles und schwebt in Lust, im Wasser, am Ufer und auf denStraßen. Die Feuermassen scheinen dies Land der Sonne näher zu rücken, essieht ganz anders als die übrige Welt aus. Gewiß waren alle Planeten ehemalsselbst Sonnen und sind nun ausgebrannt, und Neapel ist noch ein Rest jenerstolzen Zeiten. Man glaubt in der Venus, im Merkur, einem höheren Planetenzu wohnen. Immerwährender Frühling, Schönheit und Fruchtbarkeit vonMeer und Land, und Gesundheit von Wasser und Luft! (Heinse, Ardinghellound die glückseligen Inseln, 1785.)

SEGESTA

Um den berühmten Tempel von Segesta zu sehen, machten wir uns mit demStern Orion auf und ritten in der purpurnen Morgendämmerung neun Miglienweit seitab durch öde und kahle Bergdistrikte. Es verkündigt hier die Früheeben jener schönste Stern unseres Himmels, ein echt sizilianisches Gestirn, dessenMythe in Messina spielt. Ich hatte diesen Stern oft genug in Korsika bewundert,wo ihn das Volk die drei Könige aus dem Morgenlande oder die drei Magiernennt, aber in Sizilien erschien er mir erst in seiner vollen himmlischen Pracht,wie ein Kandelaber der Götter, welchen die Hören im Azur anzünden. SeineLampen flimmen und flammen wie in bengalischem Feuer, dann wittert die

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