ein paar ungeheure Marmortempel entgegenleuchten. Dies sind mit wenigenZügen die Hauptgegenstände, die uns in die Augen fallen, wenn wir zwischenden zwei Säulen des Markusplatzes hervortreten.
Nach Tische eilte ich, mir erst einen Eindruck des Ganzen zu versichern, undwarf mich, ohne Begleiter, nur die Himmelsgegenden merkend, ins Labyrinthder Stadt, welche, obgleich durchaus von Kanälen und Kanälchen durch-schnitten, durch Brücken und Brückchen wieder zusammenhängt. Die Engeund Gedrängtheit des Ganzen denkt man nicht, ohne es gesehen zu haben. Ge-wöhnlich kann man die Breite der Gasse mit ausgereckten Armen entwederganz oder beinahe messen, in den engsten stößt man schon mit den Ellbogenan, wenn man die Hände in die Seite stemmt. Es gibt wohl breitere, auch hie undda ein Plätzchen, verhältnismäßig aber kann alles enge genannt werden.Ich fand leicht den großen Kanal und die Hauptbrücke Rialto. Sie besteht auseinem einzigen Bogen von weißem Marmor. Von oben herunter ist es einegroße Ansicht: der Kanal gesät voll Schiffe, die alles Bedürfnis vom festen Landeherbeiführen und hier hauptsächlich anlegen und ausladen, dazwischen wim-melt es von Gondeln. Besonders heute, als am Michaelisfeste, gab es einen An-blick wunderschön lebendig, doch um diesen einigermaßen darzustellen, mußich etwas weiter ausholen.
Die beiden Hauptteile von Venedig, welche der große Kanal trennt, werdendurch die einzige Brücke Rialto miteinander verbunden, doch ist auch für meh-rere Kommunikation gesorgt, welche in offenen Barken an bestimmten Über-fahrtspunkten geschieht. Nun sah es heute sehr gut aus, als die wohlgekleideten,doch mit einem schwarzen Schleier bedeckten Frauen sich, viele zusammen,übersetzen ließen, um zu der Kirche des gefeierten Erzengels zu gelangen. Ichverließ die Brücke und begab mich an einen solchen Überfahrtspunkt, die Aus-steigenden genau zu betrachten. Ich habe sehr schöne Gesichter und Gestaltendarunter gefunden.
Nachdem ich müde geworden, setzte ich mich in eine Gondel, die engen Gassenverlassend, und fuhr, mir das entgegengesetzte Schauspiel zu bereiten, den nörd-lichen Teil des großen Kanals durch, um die Insel der heiligen Klara, in dieLagunen, den Kanal der Giudecca herein, bis gegen den Markusplatz und warnun auf einmal ein Mitherr des Adriatischen Meeres, wie jeder Venezianer sichfühlt, wenn er sich in seine Gondel legt. Ich gedachte dabei meines guten Vatersin Ehren, der nichts Besseres wußte, als von diesen Dingen zu erzählen. Wirdmirs nicht auch so gehen? Alles, was mich umgibt, ist würdig, ein großes re-spektables Werk versammelter Menschenkraft, ein herrliches Monument, nichteines Gebieters, sondern eines Volks. Und wenn auch ihre Lagunen sich nachund nach ausfüllen, böse Dünste über dem Sumpfe schweben, ihr Handel ge-schwächt, ihre Macht gesunken ist, so wird die ganze Anlage der Republik undihr Wesen nicht einen Augenblick dem Beobachter weniger ehrwürdig sein.
Sie unterliegt der Zeit, wie alles, was ein erscheinendes Dasein hat.-------
Heute habe ich abermals meinen Begriff von Venedig erweitert, indem ich mirden Plan verschaffte. Als ich ihn einigermaßen studiert, bestieg ich den Mar-kusturm, wo sich dem Auge ein einziges Schauspiel darstellt. Es war um Mittagund heller Sonnenschein, daß ich ohne Perspektiv Nähen und Fernen genau
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