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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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höchste Blüte er dort findet, leitet ihn abermals in das Mittelalter und diesesauf die ersten Faktoren und Volksbestandteile, auf den deutschen Urstaat, dasChristentum und die römischen Gallier. Ganz Frankreich ist als Staat undVolk ein merkwürdiger Organismus, überall beseelt und mit überall gegen-wärtiger Einheit, von dem nichts zu trennen ist, wo das Blut immerfort in dasHerz strömt und von ihm ausgestoßen wird. Wie gefallen, wie voll Auflösungund ohne staatsbildende Kraft stehen wir dagegen da!

Auch im Innern von Paris sind viel einzelne Punkte, wo, was die Zeit und dieMenschen zum Teil in fremdartigen Zwecken und absichtslos bauten, durchirgendeine geheimnisvoll ordnende Kraft zur Äußerung eines Vernunftinhalts,zum Sinnbild wurde. So der herrliche Konkordienplatz, eine der schönstenStätten der Welt. Zierlich, wie ein Saal, abends hell beleuchtet, wie ein Fest,mit glattem Asphaltgetäfel belegt, den acht kolossalen Standbildern der StädteFrankreichs zu Füßen liegend, halb ländlich von Bäumen umgeben, geschmücktmit Rostralsäulen von vergoldeter Bronze und zwei schäumenden und pracht-vollen Springbrunnen, sehen von den vier Seiten die Tuilerien, der Triumph-bogen Napoleons, die attische Madeleine und der Palast der Deputiertenkammerauf ihn hin. Die Tuilerien oder das Königstum, die Deputiertenkammer oderdie Volksfreiheit, die Madeleine oder die Religion, der Triumphbogen oder Kriegund Heerl Diese vier sittlichen Gewalten, auf dem Platz der Eintracht zusam-mentreffend, und als Siegel ihres Bundes jene Säule der Wüste, der geheim-nisvolle Obelisk der Pharaonen, das unergründliche Rätsel und Sinnbild, dasman schaudernd ansieht, ohne zu begreifen, ein Wächter, uralt und nochimmer aufrecht, zeichenbedeckt und bestellt, den Bund vielleicht unverein-barer und empörerischer Geistesgesetze zu hüten 1

Merkwürdige, wunderreiche Stadt! Ich überschaue dich und höre dein Leben,riesenhafter Körper aus Stein, mit gemauerten Rippen, mit Adern, die manStraßen nennt. Eine Million Herzen schlagen in dir, klopfen in Freude undSehnsucht und banger Erwartung, stocken vor Schmerz, voll Verzweiflung,erweitern sich in Hoffnung, verzehren sich in Täuschung, flammen auf inLeidenschaft! Wieviel heiße Augenblicke seliger Liebe, wieviel Tropfen bitterenHasses, wieviel Fäden wechselnden Geschickes und selbstgesponnener Tatein furchtbares, ein staunenswertes Gewebe! Ein Roman, dessen Inhalt dasLeben, dessen Held der Mensch, dessen Preis und Opfer das Herz ist! Wer zähltoder ordnet die Gedanken, die an dieser Stätte geboren wurden, die Verwick-lungen, die Wirkungen, Folgen und Gründe? Wer verfolgt im Geiste, was hiererklang und sich bewegte, das Liebliche und Gräßliche, den Witz und den Fluch,die leichte Rede und Schmeichelei und Blick und Tränen und Gefühl, das jederTag zeugte und fortführte ? Zerflossen wie ein Gewölk, verweht wie das Lüft-chen, geboren und verwelkt wie die Frühlingsblume, verhallt wie der Klang

der läutenden Glocke!--------

Unter allen durch Geschichte und Schönheit geweihten Punkten des mo-dernen Europa, die mein wandernder Fuß betreten, ließ mir vielleicht dasfeierlichste Gedächtnis erfahrungsweise jener Raum, der zwischen Pont Neufund Pont Royal in der Mitte liegt und den Fluß und seine beiden Ufer in sichfaßt. Abends beim Heimgange wandle ich gedankenvoll und mit genußreich

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