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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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vieve, die nur das Inland benutzt, alle dem linken Ufer zufielen. Selbst diepolitischen Ideenspaltungen haben sich hier räumlich in Massen geschieden.Auf dem linken Ufer haben sich die rein nationalen Parteien, die altfranzö-sische im Faubourg St. Germain, die demokratische oder die Partei völligerGleichheit, welche Idee allen romanischen Nationen tief innewohnt, imQuartier Latin niedergelassen. Die mittlere oder die gemäßigt konstitutionellePartei, die nicht national, aber deshalb nicht die minder mächtige ist, denn dieRichtung der modernen Geschichte geht auf Aufhebung alles national Beson-deren, unterstützt den König, den Handel, das Gewerbe, die maßvolle Freiheitvon allen den Stadtteilen aus, die die Seine nicht von den Tuilerien scheidet,und dort ist die wahre Heimat der Nationalgarde. Einzig und keiner anderenStadt angehörig ist der Zug der Boulevards, der die nördliche Hauptstadt voneinem Ende bis zum anderen, von der Bastille bis zur Madeleine quer durch-schneidet, ein breiter und stolzer Strom von Wundern des Luxus, leuchtendenGasflammen und geschmückten Frauen. Aus jenen Wällen, die Paris gegendie Welt schirmten und von ihr schieden, baute die Zeit, die überall Schrankenumstürzt, einen hohen glänzenden Weg, von dem die geistgebietende Stadt fernin die Welt sieht, und von wo sie von ihr gesehen wird. Von allen Theatern istnur ein einziges in der südlichen Stadt, das Odeon, und merkwürdigerweise wargerade dieses, solange es bestand, nationalem Ruhm geweiht, zur Verherr-lichung der französischen Geschichte bestimmt, dort erschien der kleineKorporal auf der Bühne, sowie die Juliusrevolution, und alles, was in demHerzen der Zuschauer an echt volkstümlichen Gefühlen wohnte, erwachte zustürmischem Entzücken.

Es ist übrigens auffallend, daß gar keine eigentliche Verbindungsader von einerder beiden großen Stadthälften zur anderen führt. Keine der großen Straßenmündet auf eine der Brücken: der Zug der Häuser, die Breite der Paläste läuftdem Flusse entlang, und wer vom Palais Royal kommt und sich nach einer derBrücken richtet, windet sich hier durch das Tor der Tuilerien, dort durch denHof des Louvre, durch die engen Gäßchen um die Kirche St. Germain L'Auxer-rois, ohne daß ihn das Gewühl in einem breiten Strombette nach dem jenseitigenParis fortwälzte. Die Rue St. Honore, eine der wichtigsten, wenn auch nichtschönsten Straßen, nimmt hier, wie alles übrige, eine dem Fluße paralleleRichtung. So entschieden sind dieses und jenes Paris besondere Ganze.Schon durch diese so organische Bildung ist Paris die herrlichste aller Städte;denn wenn auch bei allen übrigen ein inneres Leben Prinzip der Gestaltungward, so ist die Organisation unvollkommen, nicht klar durchbrechend, oftgestört und unentwickelt. Paris aber ist gegliedert wie der menschliche Körper,hier hat es seinen Arm, dort sein Herz, dort sein Auge. Auch die französischeGeschichte ist durch ihren unerschütterlichen logischen Fortgang die merk-würdigste der modernen Welt, folgerecht steigt die Entwicklung aus Entwick-lung, hängt Ring an Ring, immer gedanken- und naturgemäß. Das letzte zuerklären, muß man die ganze Kette bis zum ersten durchlaufen, zur rechten Zeitin bestimmter Zeit stirbt und wird alles geboren. Wer die Ursachen der Revo-lution aufdecken will, muß ihren Quellen bis Ludwig XIV., Richelieu undLudwig XL nachgehen, und die absolute Monarchie, deren Gründung und

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