liehen Frau, die neben unS ihre Reben aufband, etwas über die Gegend und dieRuine erfragt, aber es war unmöglich, uns mit ihr zu verständigen, nicht ein-mal den Namen des Stromes konnten wir in ihrem Munde verstehen, so durch-aus unähnlich war ihre Sprache der französischen.
Ein schnell aufsteigendes Gewitter nötigte uns, früher als wir es wünschtenden Wagen aufzusuchen, den wir in einiger Entfernung auf der Chaussee hal-tend erblickten. Doch zog der Regen bald vorüber und alles strahlte und duf-tete, von ihm erfrischt, nur um so herrlicher. (Johanna Schopenhauer, Er-innerungen von einer Reise, 1813/1817.)
PARIS 1840
Das heutige Paris ist gleich merkwürdig wie das des Mittelalters gegliedert.Alles gruppiert sich, gestaltet sich, wie ein Kristall. Die innere Bewegungmoralischer Mächte verteilt die Häusermasse, ordnet diese Welt von Mauernund Dächern und bildet sie zu ihrem Körper. Auch hier zerfällt alles in eineDoppelmasse, Paris, die Hauptstadt Frankreichs, auf dem linken, Paris, dieHauptstadt der Welt, auf dem rechten Flußufer. Dort, jenseits der Seine, sindalle Anstalten, von denen aus Frankreich beherrscht, erleuchtet, erzogen wird,dort ist alles französisch und national. Dort sollen die Gräber und Denkmälerder Helden des Volkes zwischen den Säulen des Pantheons sich sammeln,dort pflegen verwundete Krieger ihr Alter im Invalidenpalast, dort sind dieSchulen der Jugendbildung, die Rechtsschule, die Schule der Medizin, dieMilitärschule, die polytechnische Schule, die Sorbonne, das College de France,das anatomische Amphitheater, die Säle, wo über Botanik, über Mineralogieund alle Zweige der Naturwissenschaft gelesen wird, die Krankenhäuser, diePaläste der Pairs und der Deputierten, die fünf Akademien, die Münze, derStaatsrat und alle inneren Ministerien, das der Justiz, der öffentlichen Arbeiten,des Innern. Richten wir unsere Schritte in die gegenüberliegende Stadt, dannwird alles glänzend, ausländisch, reich, von dort aus tauscht Paris mit der Welt,empfängt alles Seltene und Reizende, sammelt es und entsendet aus. Dort aufden Boulevards begegnen uns nicht bloß Mohren und Mulatten und die Löwenin gelben Handschuhen, sondern wir stehen an der Türe des Palastes der aus-wärtigen Angelegenheiten, wo Herr Thiers den Orient und Neapel und denKönigswechsel in Berlin und die Karte der ganzen Erde studiert, dort, in derRivolistraße, wenden sich die Abgesandten von Martinique und Guadeloupean den Seeminister, dort wohnt der Handel und spekuliert die Börse, die reichenGeldleute, universal eben durch ihr Geld und meist ausländischer Abkunft, wieRothschild und Aquedo, öffnen dort an bestimmten Wochentagen ihre glän-zenden Salons in der Rue Laffitte und der Chaussee d'Antin, die unzähligenEngländer, die immer nach Paris wandern, füllen dort beinahe eine ganzeStadtgegend, dort ist der ägyptische Obelisk und die Säule aus dem Erz deut-scher Kanonen, dort ist das Königsschloß der Tuilerien und das große Museumdes Louvre. Ein Eigentum der ganzen Menschheit und von Bedeutung für dieWelt, wie die Schätze des Louvre, sind die der großen Bibliothek, während diekleineren öffentlichen Bibliotheken, wie die des Mazarin und die Ste. Gene-
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