sehende Wohlhabenheit, die wir bis jetzt in Frankreich oft vermißten. DerAbend war schön wie der Morgen, und damit nichts die Freude dieses Tagesuns störe, so fanden wir auch in der kleinen Stadt Agen alles so bequem undgut, als wir es nur immer wünschen konnten, obgleich die Stadt und das Hausvon Fremden wimmelten, die der morgen dort beginnende Jahrmarkt hinge-zogen hatte.
Schöne Alleen ziehen sich rings um die Stadt, welche die wohlhabenden Be-wohner des Orts nach französischer Sitte fleißig zum Spazierengehen benutzen.Diesen Abend nahm das fröhliche Treiben und Leben und Singen auf denStraßen und in den Alleen kein Ende bis tief in die mondhelle Nacht hinein. —Die Gegend hinter Agen verschönert sich beinahe mit jedem Schritt. Wir be-merkten jetzt weniger Weinberge, dafür aber die herrlichsten Weizenfelderund eine unglaubliche Menge prächtiger Obstbäume. Große Pfirsich- undAprikosenbäume stehen hier am Wege, gleich den Apfelbäumen an der Berg-straße. Wie betrunken summten taumelnde Bienen in dem Meer von Blüten-duft, uns ging es fast nicht besser, denn die reiche Fülle, der liebliche Reizdieser himmlischschönen Gegend ist unbeschreiblich.
Croquelardit, ein kleines Dörfchen, ist die erste Station von Agen aus. Es hateine entzückende Lage am Ufer der hier weit schmäleren, lieblich sich winden-den Garonne. Fruchtbar angebaute Hügel, über welche höhere Felsen ihrstolzes Haupt kühner erheben, umgeben den kleinen Ort, und die Gegend ge-winnt bei aller Fruchtbarkeit einen ernsten Charakter. Dunkle Ruinen uralterSchlösser drohen von den Gipfeln steiler Felsen herab, und friedliche, vonblühenden Gärten umgebene Hütten schmiegen sich an die Abhänge bishinunter ans Ufer des silberhellen Stromes.
Alles verkündete uns hier schon die Nähe der spanischen Grenze. Von den An-höhen, über welche der Weg uns führte, erblickten wir oft die den Horizontkränzenden Pyrenäen in blauer, duftiger Ferne. Selbst die Kleidung der Be-wohner des Landes hat ein fremdes spanisches Ansehen. Die Männer tragenviel weite, runde Mäntel, große, vorn aufgeschlagene Hüte und darunter einfarbiges Netz, so begegnen sie uns oft auf hohen Maultieren reitend. Die Volks-sprache in Languedoc nähert sich auch mehr der spanischen, sie hat einenschönen, volltönenden Klang, war uns leider aber ganz unverständlich und istes auch jedem in dieser Provinz nicht einheimischen Franzosen. Je weiterwir kamen, je herrlicher wurden die Umgebungen, so daß wir bei Malanzenicht länger im Wagen ausdauern mochten und zu Fuß eine Strecke voraus-gingen, während die Pferde gewechselt wurden. Zwischen hohen Weinbergenzieht sich der Weg beträchtlich in die Höhe, wir verließen ihn und verfolgteneinen seitwärts hinaufführenden Fußsteig, auf dem wir zu unserer großenFreude vielleicht den interessantesten Punkt dieser Gegend erreichten. Wirstanden auf einem Rebenhügel und blickten hinab in eins der lieblichsten,blühendsten Täler voll zerstreut liegender kleiner Hütten, durchströmt voneinem silberhellen, ziemlich bedeutenden Fluß. Es war wieder die Garonne, wiewir späterhin erfuhren. An der anderen Seite des Tales, uns gegenüber, erhebtein steiler Felsen drohend das Haupt, das die dunkle Ruine eines Schlosses odereines Klosters wie eine Krone ziert. Gern hätten wir von einer alten, freund-
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