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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Die heimatliche Natur ergreift mich um so mächtiger, je mehr ich sie studiere.Das Gewitter, nicht nur in seiner höchsten Erscheinung, sondern in eben dieserAnsicht, als Macht und als Gestalt, in den übrigen Formen des Himmels, dasLicht in seinem Wirken, nationeil und als Prinzip und Schicksalsweise bildend,daß uns etwas heilig ist, sein Gang im Kommen und Gehen, das Charakte-ristische der Wälder und das Zusammentreffen in einer Gegend von verschie-denen Charakteren der Natur, daß alle heiligen Orte der Erde zusammen sindum einen Ort, und das philosophische Licht um mein Fenster ist jetzt meineFreude, daß ich behalten möge, wie ich gekommen bin, bis hierher! MeinLieber! ich denke, daß wir die Dichter bis auf unsere Zeit nicht kommentierenwerden, sondern daß die Sangart überhaupt wird einen anderen Charakternehmen, und daß wir darum nicht aufkommen, weil wir, seit den Griechen,wieder anfangen, vaterländisch und natürlich, eigentlich originell zu singen.Schreibe doch nur mir bald. Ich brauche Deine reinen Töne. Die Psyche unterFreunden, das Entstehen des Gedankens im Gespräch und Brief ist Künstlernnötig. Sonst haben wir keinen für uns selbst, sondern er gehöret dem heiligenBilde, das wir bilden. Lebe recht wohl! (Hölderlin, Brief von 1802.)

AN DER GARONNE

Unsere Abreise von Bordeaux fiel in die letzten Tage des Märzmonats. DieLuft war warm wie bei uns im Juni, alles grünte und blühte rings umher inüppiger Frühlingspracht, die Weinreben allein sahen noch winterlich aus.Durch eine sehr angenehme, fruchtbare Gegend, auf guten, obgleich ein wenigsandigen Wegen erreichten wir noch in der Abenddämmerung das am Uferder Garonne liegende Städtchen Langon. Da wir uns indessen hier in einer Fähre

übersetzen lassen mußten, so beschlossen wir, die Nacht dort zu bleiben.-------

Festlich gekleidet sahen wir am nächsten Morgen in aller Frühe die Bewohnerdes Städtchens zur Kirche gehen. Es war Palmsonntag, alle trugen grüneZweige in den Händen, um sie dem kirchlichen Gebrauche des Tages gemäßvom Priester weihen zu lassen. Eine echte Frühlingsfeier an diesem wunder-schönen Morgen. Auf dem Markte standen große Körbe voll der herrlichstenBlumen zum Verkaufe ausgestellt. Hyazinthen, Tazetten, Jonquillen von selt-ner Schönheit, in höchster Farbenpracht, dufteten und glänzten uns entgegen.Von der Fähre entzückte uns die Aussicht auf das malerisch am Abhänge einessanft sich erhebenden Hügels gebaute Städtchen und auf die wie ein frucht-barer großer Garten es rings umgebenden Anhöhen. Blühende Obstbäume undHecken, Kornfelder, die fast schon Ähren trieben, prangten von allen Seitenzwischen eben knospenden Weinreben. Aus fernen und nahen Dörfern töntefeierliches Glockengeläute durch das unaufhörliche Singen und Zwitschern derVögel, die sich lustig im Sonnenscheine herumtummelten und ihre Nesterbeschickten.

Nach Tische setzten wir unseren Weg weiter fort durch das an mannigfaltigemReiz sich immer gleichbleibende herrliche Land. Die edelsten Arten desBordeauxer Weines wachsen in der Gegend, durch welche wir an diesem Tagekamen, und gewähren den Bewohnern die auf dem Lande so erfreulich anzu-

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