nur, insofern sie ihm nützlich oder schädlich, gegen ihn karg oder freigebig ist.Die ihm am meisten Frucht liefert und ihn am wenigsten stört und beun-ruhigt, ist ihm die schönste. Daß die Alten den romantischen Hang zum Natur-leben als solchen nicht kannten, ist seit den Ausführungen Schillers, Hegelsund Vischers ein allgemein anerkannter Satz. Sie waren eben selbst noch ganzNatur. Sie wandelten als plastische Menschen auf einem Boden, der die un-gebrochene Einheit des Gemütes nicht störte, sondern trug und erhielt. Derpersonifizierende Mythus hatte mit rascher Tätigkeit die ganze Natur in eineideale Menschenwelt verwandelt und sie nicht nahe, gleichsam nicht zu Wortekommen lassen. Als später die religiöse Produktion erlosch, war das mythischeGebäude schon so vollendet und befestigt, daß sich den Künstlern und Dichternwie dem ganzen Volke statt der Natur nur die farbigen Göttergestalten und diefixierten, bildlichen Redewendungen boten. Die reale Welt war von einerzweiten mythischen Welt gleichsam überbaut und durch sie dem Blick ent-zogen. (Viktor Hehn, Italien, 1867.)
WIRKUNG DER SÜDFRANZÖSISCHEN LANDSCHAFT AUF HÖLDERLIN
Ich habe Dir lange nicht geschrieben, bin indes in Frankreich gewesen undhabe die traurige einsame Erde gesehen, die Hütten des südlichen Frankreichsund einzelne Schönheiten, Männer und Frauen, die in der Angst des patrio-tischen Zweifels und des Hungers erwachsen sind. Das gewaltige Element,das Feuer des Himmels und die Stille der Menschen, ihr Leben in der Naturund ihre Eingeschränktheit und Zufriedenheit hat mich beständig ergriffen,und wie man Helden nachspricht, kann ich wohl sagen, daß mich Apollo ge-schlagen.
In den Gegenden, die an die Vendee grenzen, hat mich das Wilde, Kriegerischeinteressiert, das rein Männliche, dem das Lebenslicht unmittelbar wird in denAugen und Gliedern, und das im Todesgefühle sich wie in einer Virtuositätfühlt und seinen Durst zu wissen erfüllt. Das Athletische der südlischen Men-schen, in den Ruinen des antiken Geistes, machte mich mit dem eigentlichenWesen der Griechen bekannter, ich lernte ihre Natur und ihre Weisheit kennen,ihren Körper, die Art, wie sie in ihrem Klima wuchsen, und die Regel, womitsie den übermütigen Genius vor des Elementes Gewalt behüteten. Dies be-stimmte ihre Popularität, ihre Art, fremde Naturen anzunehmen und sichihnen mitzuteilen. Darum haben sie ihr eigentümlich Individuelles, das le jbendig erscheint, sofern der höchste Verstand im griechischen Sinne Re-flexionskraft ist, und dies wird uns begreiflich, wenn wir den heroischen Körperder Griechen begreifen, sie ist Zärtlichkeit, wie unsere Popularität.Der Anblick der Antiken hat mir einen Eindruck gegeben, der mir nicht alleindie Griechen verständlicher macht, sondern überhaupt das Höchste der Kunst,die auch in der höchsten Bewegung und Phänomenalisierung der Begriffe undalles ernstlich Gemeinten dennoch alles stehend und für sich selbst erhält, so daßdie Sicherheit in diesem Sinne die höchste Art des Zeichens ist. Es war mirnötig, nach manchen Erschütterungen und Rührungen der Seele mich festzu-setzen auf einige Zeit, und ich lebe indessen in meiner Vaterstadt.
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