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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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von dem leisesten Lüftchen der Nacht bewegt, verwandelt sich in ein still wo-gendes Feuermeer. (K. Ph. F. v. Martius, Reise in Brasilien, 1823/1828.)

PLASTISCHE LANDSCHAFT DES SÜDENS

Im allgemeinen trägt das Land im Süden und dies ist, was den Nordländeranfangs am meisten verwirrt ein einförmiges, gleichartiges, ernstes Kolorit.Die Natur malt hier monochromatisch, und zwar mit bräunlich gelbem Grund-ton: Himmel und Erde, Pflanzen und Berge, Vorder- und Hintergrund, alleswird, wie bei pompejanischen Bildern, von der einen, traurig stillen, tiefge-sättigten Felsenfarbe beherrscht. Die Vegetation, von dunklem, blauem An-sehen, schließt sich an die rotbraun brennenden Bergwände an, als gehörte siezu ihnen, die staubig gelbe Ebene trägt die rotfarbenen Halme der reifendenFeldfrucht, zwischen den bleigrauen Oliven liegen warme braune Erdfleckeoffen, weißliche Steinpfade schlängeln sich zwischen blaugrünen Kaktushecken,auf denen dicker Kalkstaub ruht, in rötlichem Goldton glänzen die Säulen,die Travertinblöcke, die Backsteinmauern der Ruinen, Städte, Schlösser undWallfahrtskapellen gleichen in Farbe und Ansehen ganz dem hohen Fels, ausdem sie hervorgewachsen scheinen, nichts hebt sich selbständig hervor, selbstnicht das junge Laub in wasserreichen Tälern, alles, selbst der Azur des Him-mels und des Meeres, die Abendröte, das Landhaus, der Baum, das Gemäuer,so fein und individuell auch sonst die Lokalfarbe sein mag, ordnet sich derstrengen Harmonie unter, dem Sonnenton, in dessen Stimmung alles versenktist. So weit das Auge reicht, ist alles tot und gleichgültig in der Farbe, starrund leblos in der Form. Es ist eine stilvolle, ganz plastische, scheinbar seelen-lose Landschaft.

Wie aber nach Goethes schöner Bemerkung die unbestimmte, durch organischeKochung bezwungene Farbe eine höhere Stufe bezeichnet, als die reine Elemen-tarfarbe, wie bei Vögeln das gemischte gelbgraue Gefieder organisch edler ist,als das schreiende Rot, Grün und Gelb der Papageien, so drückt auch die ver-schmolzene Einheit des gedämpften Grundtones, sowie der bewegungsloseUmriß und das plastisch-architektonische Linienmaß in Vegetation und Bodeneine reichere und energischere Anlage und eine weiter reichende Schöpfer-kraft aus. Was dem nordischen Naturschwärmer als kalt und arm erscheint,ist daher vielmehr Fülle der wirkenden Natur, die bis zu reiner und ganzerDarstellung ihrer selbst gelangte. In ihrer Stille ist sie sich selbst klar genug,die Phantasie braucht ihr nichts mehr zu leihen, vor dem Auge, das sehen ge-lernt hat, liegt sie wie eine Sammlung von plastischen Bildern da, eher ernst alsfreudig, oder vielmehr auch in der höchsten Freude durch einen Zug von Weh-mut gedämpft, bei der höchsten Erregung durch ein eingebornes Maß be-herrscht. Zu sentimentaler Auffassung aber gibt sie keinen Anlaß, da täuschtden Kranken nichts durch Mitempfindung, da klingt kein Echo unbeschreib-licher Seelenstimmung wieder. Der ganze und gesunde Mensch geht auf die-sem Boden in Leidenschaft und Ruhe den mannigfachen Zwecken des Lebensnach, haßt und liebt, ergreift oder umschleicht den Gegenstand seiner Begierde,hilft und beneidet, bemitleidet und mordet, und blickt auf die umgebende Natur

16 Wolters, Der Deutsche. V, 2.

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