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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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teten wir nach weiteren zwei Stunden im Interesse unserer Tiere, welcheabends zuvor keine Nahrung erhalten hatten, zwischen zwei Dünenreihen, woetwas Nissi und Sebat wuchs. Am Nachmittage ließen wir zwei Stunden nachunserem Aufbruche die Etjukoi-Gruppe, welche ihre finsteren Felsen kaumhöher als 40 Meter aus dem Sande emporstreckt, östlich hart am Wege, setztenunseren Kampf mit den Dünen, die an Höhe und starren Formen abzunehmenbegannen, fort und lagerten nach siebenstündigem Marsche in äußerster Er-schöpfung zur Nachtruhe.

Der Abend entschädigt reichlich für die Qual des Tages. Der Sandwind schweigt,der unverhüllte Himmel erscheint klar und tiefdunkel und besät sich mit Ge-stirnen, deren Glanz wir in ähnlichem Grade bei uns nur in seltenen Winter-nächten zu bewundern Gelegenheit haben. Eine tiefe Ruhe lagert sich über denSchauplatz der mühseligen Tagesarbeit, des tosenden Windes und des wirbeln-den Flugsandes. In wunderbarer Schärfe und Klarheit zeichnen sich die Kon-turen der mannigfach gestalteten Sandberge auf dem klaren Grunde der At-mosphäre, phantastisch überragt dazwischen ein dunkler Felsen die hellenHügel, eine lichte Färbung am fernen Horizonte verkündet den Aufgang desMondes, der bald als silberne, glänzende Kugel durch den Äther schwebt, soleicht und heiter, daß man jeden Augenblick meint, er müsse eine schnellere,hüpfende Bewegung annehmen. Scharfe Lichter und Schatten bringen danneine geheimnisvolle Mannigfaltigkeit in die vielgestaltigen Dünen, viel reicherund schöner, als das Licht des Tages es vermochte.

Das ist auch die beste Zeit zum Reisen, und wenn die Nacht nicht des nordischenMenschen Freund ist, so ist sie durch Mondenschein oder klaren Sternenhimmel,durch Kühle und Windstille der beste des Wüstenreisenden.Als wir einige Stunden nach Mitternacht am 15. Juni wieder aufbrachen, lagim Mondlicht, klarer und schärfer als auf der Tageshöhe möglich gewesen wäre,ein einzelner Felsen als Wegweiser vor uns, den wir nach zwei Stunden Süd-südwestrichtung erreichten, und der sich in der Nähe als das höchste Anfangs-glied einer Reihe von ähnlich gestalteten isolierten Felsen herausstellte. Dieeinzelnen Glieder dieser Kette, welche von Ost nach West verläuft, sind durchansehnliche Zwischenräume voneinander getrennt und haben alle eine abge-rundete, kuppeiförmige Gestalt, welche wenigstens dem höchsten, der alleinin größerer Entfernung sichtbar ist, den Namen Ngai Zigir, das heißt Krug derHyäne gegeben hat.

Wir marschierten östlich an ihm vorüber und erblickten mit dem beginnendenMorgen vor uns die ansehnlichen Berge von Dibbela, von denen wir durch einehochgewölbte Ebene getrennt waren. Wir durchschnitten diese in Südrichtung,ließen in ihrem südlichen Teile nahe den Bergen unsere Tiere sich im Vorüber-gehen an der üppigen Weide laben, ohne jedoch zu rasten, und überschrittennach sechsstündigem Marsche den sich im Ganzen von Westnordwest nachOstsüdost erstreckenden Gebirgszug in Südwestrichtung. Der Paß trennt dasGebirge in zwei Teile, von denen der nordwestliche, dessen Berge sich nachNordwest und nach West erstrecken, unter dem Namen Jeriram zusammen-gefaßt wird, während dem südöstlichen der Name Dibbela zukommt. Jenseitder Hauptkette befanden wir uns vor einer zweiten, unbedeutenderen, welche

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