Höhe der Kante gearbeitet hat, ist vielleicht der jenseitige Abfall so jäh, daßdas ungeschickte Tier der Schwere seines Körpers und seiner Last keinen Wi-derstand zu leisten vermag und entweder selbst stürzt oder doch die Ladungin den Sand wirft. Oft genug muß das Tier entlastet werden, um die Schwierig-keit überwinden zu können, und der Mensch hat zu aller Mühe und Hitze nochdie Gepäckstücke der Ladung einzeln an den Fuß der Düne zu schleppen.In beständigem Zickzack und endloser Eintönigkeit geht es Düne auf Düne ab.Unwillkürlich erhofft man von der Höhe jeder einzelnen die Aussicht auf einegünstigere Bodengestaltung, erschöpft kommt man oben an und richtet dasermüdete Auge prüfend in die Ferne, um denselben Anblick zu haben und dieHoffnung auf den Ausblick von der nächsten Dünenhöhe zu verschieben.Immer wieder hofft man, und immer wieder folgt die Enttäuschung. Ist derTag klar, so wagt man kaum um sich zu blicken, um das geblendete Auge vorder rückstrahlenden, glänzenden Fläche zu bewahren, weht der Wind, so istman in eine Sandatmosphäre gehüllt, dichter als ein englischer oder hollän-discher Nebel, und vermag das brennende verklebte Auge kaum zu öffnen. DasInteresse an der eigenartigen Umgebung, der überwältigende Eindruck diesesSandmeeres, der an Großartigkeit dem des Meeres nicht nachsteht, denselbenan majestätischer Ruhe aber übertrifft, schwächt sich allmählich und geht imKampfe mit der Natur unter.
Erst hier lernt man die Bedeutung des Kamels richtig würdigen, erst hier wirduns dasselbe zum wahren Schiffe der Wüste, wie es bald auf der Höhe der Sand-wogen erscheint, bald in der Tiefe verschwindet, und wie es allein den Menschenbefähigt, die Sahara zu durchreisen. Sprachlos, wie bei allen übergroßenphysischen Anstrengungen, ringt man mechanisch weiter, vergeblich sinnendüber die geheimnisvolle Gewalt, welche den Menschen treibt, um den spär-lichsten Lohn sich im ewigen Kampfe mit den hindernden Gewalten der Naturabzumühen und fast unbewußt der Weiterentwicklung des ganzen Menschen-geschlechtes zu dienen.
Kein Pfad führt begreiflicherweise durch diesen Dünengürtel, und selbst demscharfen Auge der Wüstenbewohner bieten die ihre Umrisse beständig wech-selnden Sandhügel keine Anhaltspunkte, die als Merkzeichen des Weges dienenkönnten. Nur die seltenen Felsen, welche seit Jahrtausenden den Angriffen desSandes getrotzt haben und starr und finster ihre schwarzen Häupter über diewogende und wechselnde Umgebung emporheben, bilden in diesem Sand-meere die leitenden und rettenden Leuchttürme.
Die Dünen wurden höher und schwieriger am Nachmittage des 13. und amVormittage des 14. Juni und die von unserer Südrichtung abweichenden Zick-zackbewegungen dadurch immer ausgiebiger und zeitraubender. Wenn wir an-fangs von dieser Südrichtung nach Osten abgewichen waren, so wurde dies balddurch eine Abweichung nach Westen ausgeglichen. Nachdem wir uns amMorgen des letztgenannten Tages drei Stunden lang abgemüht hatten, er-blickten wir zwei bis drei Stunden östlich vom Wege eine Felsgruppe, derenNamen unser Chabir, obgleich er zum vierzehnten Male nach Bornu reiste,nicht kannte und vor uns im Süden eine andere namens Etjukoi, auf derenwestliche Grenze wir zu marschierten. Noch ehe wir dieselbe erreichten, ras-
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