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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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den Sattelweg von Bethania hinabgestiegen. Wie man dort in straffer Weg-krümmung gegen die Kidronsschlucht (Tal Josaphat) heraustritt, überraschtden Blick des Wanderers auf einmal, wie ein magisches Ungetüm, hoch überder jenseitigen Talwand hängend der Tempelberg mit dem fahlen Gesteinseiner riesigen Unterlage, mit dem Lasur seiner bleigedeckten Kuppel und mitdem blauen Firmament im Hintergrund. Um die Magie der Szene zu voll-enden, schweben links vom Tempelberg der Zion, rechts der Bezethahügel,beide durch Lichtsunde vom Mittelbau getrennt, wie zwei Seitennebenbilderin der Luft. Der Herodestempel, mit seinen gigantischen Säulengängen undTerrassen auf schwindelnder Höhe aufgetürmt, mußte, von diesem Punkte ausgesehen, von unglaublicher Wirkung sein. Rauschte auch damals wenigstensin der Regenzeit der Kidronbach sprudelnd und lustig die tiefe Schlucht herun-ter, so ist doch heute alles verschwunden, oben die stolzen Tempelterrassenund die quadrangulären Säulengänge, unten der Talschatten und der plät-schernde Regenbach.

Die Öde mit dem alten Riesengemäuer und dem niedlichen Saracenbau darüberist allein geblieben. Und so unwiederbringlich, scheint es, sind die Adern desWildbachs Kidron abgestorben, und so durstig war zugleich der Boden vonder langen Sommerglut, daß selbst die fruchtbaren Güsse der letzten Tage auchnicht die leiseste Spur rinnender Feuchtigkeit in der Engschlucht zurückge-lassen haben. Die Pflanze, die Erde, die verborgenen und offenen Zisternen,Wasserlager und Kanäle der Stadt und Umgegend hatten alles aufgetrunken,was der Himmel in seiner Milde gespendet hatte. Während einer Reihe vonJahren, sagte uns ein europäischer Bewohner der Heiligen Stadt, habe er wederzur Winterzeit, noch im Frühling, noch im Herbst Wasser im ausgetrocknetenKidronbett gesehen, obgleich im März 1846 mehrere Stunden lang sogarSchnee auf dem ölberge lag, und in den von Jerusalem entfernteren Tälern zurZeit der Frühlingsregen und Schneeschmelze nicht selten tiefe und reißendeGießbachfluten den Wanderer bedrohen und den Verkehr der Landschaft un-terbrechen. Nur der Heiligen Stadt sei es Zorn des Himmels oder List undBosheit der Menschen ist das erquickende Labsal vorüberrauschendenWellenspiels versagt 1 (J. Ph. Fallmerayer, Vier Wochen in Jerusalem, 1851.)

SANDWÜSTE IN DER SAHARA

Obgleich auch der folgende Tag (13. Juni) unter der Herrschaft des Südwindesstand, brachen wir kurz nach Mittag auf und bestanden noch einen sieben-stündigen rastlosen und harten Kampf mit den in ununterbrochener Folge sichuns entgegenstellenden Dünenketten. Das war die Wüste, wie sie typisch inder Vorstellung der meisten Europäer lebt, aber glücklicherweise nur in ein-zelnen Gegenden erscheint und dann freilich bei Mensch und Tier die An-spannung aller Kräfte in Anspruch nimmt. Mühsam erklimmt man dieKette, um von der Höhe derselben aus eine unabsehbare Reihe von Hinder-nissen gleicher Art zu überblicken. Prüfend sucht man den leichtesten Über-gang, in der Hoffnung, daß der Sand, wie es hier und da der Fall ist, tragfähigsein möge. Doch tief sinkt das Kamel ein, und wenn es sich mühsam auf die

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