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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
218
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beeister Gipfel von den Strahlen der untergegangenen Sonne beleuchtet ward.Bald aber streiften sie auch über ihn hinaus und würden unseren Pfadin ein für unser Herabkommen gefährliches Dunkel geworfen haben, wennnicht auf der anderen Seite des Firmaments die himmlische Leuchte der Nachtzu unserem Tröste aufgegangen wäre, unsere Tritte klar und lieblich zuerhellen.

So erreichten wir ohne Unfall um halb sieben Uhr abends den Ort unseresNachtlagers, wo ein fröhliches Feuer von dem zurückgelassenen Holze an-gemacht, ein kleines Nachtmahl bereitet und eine ebenso heitere, warmeNacht verbracht wurde, als die vorige gewesen war. Auch fanden wir daselbstunsere zurückgebliebenen Begleiter vor, samt den Sachen, die wir dort gelassenhatten. Des anderen Tages um sechs Uhr gingen wir wieder aus, erreichtenum halb neun Uhr Kip-Ghioll, wo die Lasttiere unserer warteten, und umdie Mittagsstunde des 28. Septembers zogen wir glücklich in St. Jakob ein,wie vor 4000 Jahren der Erzvater Noahmit seinen Söhnen und mit seinemWeibe und mit seiner Söhne Weibern" vom Berge Ararat herabgezogen war,und brachten des Tages nach unserer Heimkehr in sonntäglicher Andachtdem Herrn die Opfer unseres Dankes vielleicht nicht weit von der Stelle dar,wo Noahdem Herrn einen Altar gebaut und Brandopfer darauf geopferthat". (Friedrich Parrot, Reise zum Ararat, 1834.)

JERUSALEM

Warum denn Allah dieses Jahr gar nicht mehr regnen lasse", fragten denFremdling gleich am anderen Tage nach seiner Niederlassung im Hause Me-schullam die bekümmerten Fellahweiber des ölbergdorfes. Wahr ist es frei-lich, daß außer der Regenzeit eine unglaubliche Fülle Lichtes auf Jerusalemniederströmt. Das tiefe Prachtblau des Zionhimmels kennt selbst Italien nicht.Wer nur vom traurigen Deutschland, von seinen braunen Mooren und von sei-nem dichten Nebel weiß, mag es kaum glauben, daß die Luft um Jerusalemdurch ihre Dünne, ihre Durchsichtigkeit und ihre Helle in ungewöhnlichemMaße selbst die Entfernungen aufzuheben scheint. So nahe liegen, wenn manvom Kamm desölbergs hinuntersieht, der Jordan und das Tote Meer, daß manüber Hügel, Steingeröll und Stürze kühn hinunterlangen, die eine Hand in diesalzgeschwängerte Flut von Sodom tauchen, mit der anderen aber ein Tama-riskenrohr am grüngesäumten Jordanufer brechen möchte, und doch mag dieEntfernung der beiden genannten Punkte von Jerusalem in gerader Linie we-nigstens drei deutsche Meilen oder 36 000 Schritte sein. Doch die Sättigungverfolgt den Menschen überall, und ich fürchte, kein Genuß, kein Glück, keineFreude, von welcher Natur sie immer sei, vermöchte das menschliche Gemütvor dem größten Feinde aller Seligkeit, der Langenweile und dem Überdruß zuschirmen.Alles ist mir gelungen, den höchsten Gipfel irdischer Größe habe icherstiegen," sagte Septimius Severus,und doch bin ich mißvergnügt". Er-müdet uns am Ende nicht selbst das Schöne, und kann der Mensch anders alsin Sturm und Wechsel glücklich sein?Der 28. November endlich störte die eintönige und stille Klarheit der hiero-

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