Kegel, die höchste Kuppe des Ararat lag unverkennbar vor meinen freude-trunkenen Blicken. Noch ein letztes Aufgebot unserer Kräfte war nötig,nur noch eine Eisfläche mittels Stufen zu ersteigen, und wir standen auf demGipfel des Ararat um ein Viertel nach drei Uhr des 27. Septembers 1829! —Mein erstes Streben und Genießen war Ruhe, ich breitete meinen Mantelunter mir aus und setzte mich nieder. Ich befand mich auf einer schwachgewölbten, fast kreisförmigen Fläche von ohngefähr 200 Schritt im Umkreise,die am Rande nach allen Seiten hin ziemlich steil abfiel, besonders aber gegenSüd- und Nordost. Es war das starre, von ewigem Eise gebildete, durch keinenFelsen, keinen Stein unterbrochene Silberhaupt des alten Ararat. In derRichtung gegen Osten lief dieser Gipfel sanfter aus, als nach irgendeineranderen, und stand hier mittels einer flachen, jedoch gleichfalls von ewigemEise bedeckten Einsenkung mit einem zweiten, um etwas niedrigeren Gipfel
in Verbindung.-------
Von dem Gipfel aus hatte ich einen weit ausgedehnten Gesichtskreis, in welchemaber der ungeheuren Distanzen wegen nur größere Massen deutlicher unter-schieden werden konnten. Das ganze Tal des Araxes deckte ein grauer Nebel-duft, durch welchen hindurch Erivan und Sardarabad nur als dunkle hand-große Flächen erschienen, deutlicher zeigten sich im Süden die Hügel, hinterdenen Bajased liegen sollte. In Nord-Nordwest prangte das zackichte Hauptdes Alaghes, in seinen Vertiefungen mit bedeutenden Schneemassen bedeckt —eine wahrscheinlich unerreichbare Felsenkrone. Zunächst um den Ararat,besonders in Südost und weit entfernt auch gegen West, eine Menge kleinerBerge, meist von kegelförmiger Zuspitzung und mit Vertiefungen in der Mitte,ehemaligen kleinen Vulkanen nicht unähnlich, dann in Ost-Südost der KleineArarat, dessen Haupt sich hier nicht mehr als die einfache Spitze eines Kegelszeigte, wie es von der Ebene aus erscheint, sondern wie die Fläche einer ab-gestutzten viereckigen Pyramide, auf den Ecken und in der Mitte mit größerenund kleineren Felsenerhöhungen versehen. Was mich aber zu sehen über-raschte, war ein großes Stück des Sees Goktschai, das als schöne dunkelblauschimmernde Fläche in Nordost hinter der hohen Bergkette sehr deutlichhervortrat, die den See von Süden her unmittelbar einschließt und so hoch ist,daß ich nimmer geglaubt hätte, vom Gipfel des Ararat über sie hinweg in den
von ihr verdeckten Wasserspiegel blicken zu können.--------
Nach einem Aufenthalte von etwa dreiviertel Stunden mußten wir auf die Rück-kehr bedacht sein, nahmen zuvor nur noch einen Imbiß an Brot und brachtenvon dem bis dahin mitgenommenen Rebensafte dem Vater Noah dankbareine kleine Spende. Es ging dann die Abhänge rasch nacheinander hinabvermittels der tiefen Stufen, die beim Hinansteigen ins Eis gehauen waren,doch war das Herabsteigen auch sehr ermüdend und für mich in den Knienbesonders schmerzhaft. Wir eilten aber, weil die Sonne schon tief stand und,bevor wir noch die Schneefläche des großen Kreuzes erreicht hatten, schonunter den Horizont getreten war. Ein herrliches Schauspiel war es, erst diedunkelen Schatten zu sehen, welche die in West unter uns liegenden Berge•8 die Ebene warfen, dann die tiefe Nacht, welche alle Täler umfing undsich am Ararat immer höher und höher hinanzog, während nur noch sein
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