Druckschrift 
5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
216
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BESTEIGUNG DES ARARAT

Als der Morgen dämmerte, rafften wir uns auf und begannen um halb sechsUhr unsere Wanderung fortzusetzen. Die letzten Trümmerabhänge warenin Zeit von einer halben Stunde überschritten, und wir betraten wieder dieGrenze des ewigen Schnees ohngefähr an der nämlichen Stelle als das vorigeMal, nachdem wir noch einen Teil entbehrlicher Gegenstände an den letztenSteinmassen zurückgelegt hatten. Die Schneeregion hatte aber eine für unsnicht günstige Veränderung erfahren, durch die eingetretene größere Wärmewar der frischgefallene Schnee, dessen Gegenwart uns bei dem früheren Ver-suche in etwas zustatten gekommen war, angeschmolzen und vergletschert,so daß schon gleich von unten auf, trotz der noch geringen Neigung des Ab-hanges, das Aushauen von Stufen beginnen mußte. Dies erschwerte das Fort-kommen und nahm unsere Kräfte gleich anfangs in vollem Maße in Anspruch.Einen der Bauern hatten wir schon beim Nachtlager zurücklassen müssen,weil er sich unwohl fühlte, zwei andere wurden nacheinander beim Ersteigendes Gletscherabhanges marode, blieben anfangs liegen, zogen sich aber späterauch zum Nachtlager hinab. Ohne uns dadurch im geringsten aufhalten zulassen, verfolgten wir übrigen, durch die überwundenen Schwierigkeiten mehrermutigt als niedergeschlagen, rastlos unser Ziel. Bald kamen wir auch wiederan den großen Spalt, welcher den oberen Rand des Gletscherabhanges bezeichnet,auf dem wir hinangestiegen waren, und um zehn Uhr befanden wir uns schonwieder da, wo wir das vorige Mal um die Mittagsstunde gewesen waren, näm-lich auf der großen Schneefläche, welche die erste mächtige Stufe auf demEishaupte des Ararat bezeichnet. Wir sahen aus der Entfernung von etwaeiner Werst das am 19. September errichtete Kreuz, aber es erschien mir,vielleicht eben seiner schwarzen Farbe wegen, so ungewöhnlich klein, daßich wohl daran verzweifeln mußte, es aus der Ebene des Araxes mit einemgewöhnlichen Fernrohr wieder zu finden und zu erkennen.In der Richtung zum Gipfel hatten wir einen kürzeren, aber steileren Abhangvor uns als den zurückgelegten, und zwischen ihm und der äußersten Kuppeschien nur noch ein kleinerer Anberg zu liegen. Nach einer kurzen Ruheüberschritten wir, stets mit Hilfe ausgehauener Stufen, den ersten Abhang,den steilsten von allen, und nach ihm auch noch die nächste Erhöhung, stattaber nun das allendliche Ziel unserer Mühen unmittelbar vor uns zu sehen,hatte sich noch eine ganze Reihe von Hügeln entwickelt und uns sogar denBlick auf den Gipfel verdeckt. Dies schlug unseren Mut ein wenig nieder,der keinen Augenblick gewankt hatte, solange wir die zu überwindendenSchwierigkeiten zu überblicken glaubten, und unsere Kräfte, von der hartenArbeit an den Stufen mitgenommen, schienen der Erreichung des unsichtbargewordenen Zieles kaum mehr gewachsen. Doch ein Überschlag des Getanenund dessen, was zu tun noch übrigsein konnte, die Nähe der hintereinanderhervortretenden Erhöhungen, ein Blick auf meine rüstigen Gefährten ver-scheuchten die Sorgen, und mutig vorwärts! klang es in meiner Brust. Wirüberschritten ohne Aufenthalt noch ein paar Hügel, da wehte Gipfelluft, ichtrat hinter einem der Schneebuckel des Abhanges hervor und der äußerste

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