Dieses alles denke man sich von Tausenden von Gondeln belebt und mitSchiffen durchwebt — segelkundige Engländer, die sich auch in Leitung ihrerkleinen, zierlichen Barken ihres Übergewichts über alles andere auf demfeuchten Elemente Schwimmende erfreuen, deutsche Bürger, die sich mitihren Familien in der Nacht der Freude überlassen, um die Sorgen des Tageszu vergessen, russisches Volk, das seine harmoniereichen Lieder über dasWasser hinmurmeln läßt, die Reichen und Großen des Reichs, von den Chörenihrer Sklaven begleitet, die jene zauberische Hornmusik ertönen lassen,Matrosen und Schiffsvolk von allen seefahrenden Nationen, das Wunder derhellen Nächte anstaunend — man denke sich dieses alles lebhaft, oder mansetze sich in eine der hübschen Gondeln, umkreise mit ihr die Inseln undInselchen, und man wird vergebens eine Stadt auf dem Erdenrunde suchen,die etwas gewähren könnte, das sich mit den Reizen dieser Sommernachts-gondelfahrten Petersburgs vergleichen ließe. (J. A. Kohl, Petersburg in Bil-dern und Skizzen, 1841.)
KONSTANTINOPEL
Konstantinopel mit seinen Außenwerken von den südlichsten Dardanellen-schlössern und ihren kolossalen Feuerschlünden bis zu den verwüstung-speienden Kunstvulkanen, die den Eingang in den Bosporus am Pontus Euxinushüten, ist die großartigste und unbezwingbarste Naturfestung des Erdbodens,wenn mannhafter Sinn innerhalb der Schutzwehren und eine wohlbemannteSeemacht, zu Verteidigung und Angriff gleich gerüstet, außerhalb die Wachehalten.
Waren Babel und Ninive, auch nach Verlust sämtlicher Provinzen und nurauf den Umfang ihrer Stadtmauern beschränkt, noch gefürchtete Reiche, sokann auch Konstantinopel mit seinem 60 deutsche Meilen langen und mitallen Bedingungen stattlichen Daseins vollauf gesegneten Festungsrayon zwi-schen dem Ägäischen und dem Schwarzen Meere in der europäischen Politikseine Bedeutung nicht verlieren, wenn sich auch die Länder am Nil, am Euphrat,am Orontes mit ganz Anatolien östlich vom Taurus von der Zentralgewaltam Bosporus trennen, und selbst in Europa alles, was hinter dem Hämus undder Rhodope liegt, aus dem Verband der Hörigkeit treten und zu eigenemLeben erwachen sollte. Die Sicherheitsquelle, der Stolz und die Wonne desByzantinischen Kalifats — das Goldhorn und das Bosporusparadies im Mittel-punkte — blieben selbst bei dieser Schmälerung der Reichsgrenze noch un-berührt.
Wären die Ufer dieses riesigen Mäanders zwar auf beiden Seiten der Strömunggrün und waldgeschmückt, trügen sie aber, flach und geradlinig, wie derkünstlich gegrabene Kaiserkanal von Nanking, die Pontusflut an einem eben-falls flach eingerandeten Goldhorn vorüber in die Propontis von Marmoraherein, so könnten sie der eindringenden Seemacht des Feindes zwar dieselbeWehrkraft entgegenstellen und dem inwärts liegenden Stambul den näm-lichen Grad von Sicherheit wie jetzt gewähren, aber das byzantinische Tempewären sie nicht, und statt des wonnigen, ewig neuen Entzückens aus wechsel-
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