seinen „schönsten, heitersten" Tag. Der Himmel ist hell, die Sonne leuchtetbrillant, und zwar um so brillanter, da ihre Strahlen durch Millionen kleinerblinkender Eiskristalle hindurchschießen, mit denen die Luft gleich einemDiamantstaub erfüllt ist. Aus allen Häusern und selbst aus den geheiztenKirchen wirbeln dicke Rauchsäulen, die in der ätherklaren Luft so dichterscheinen, als ob in jedem Hause eine Dampfmaschine stände, und dabeiin allerlei Farben spielen. Schnee und Eis auf den Straßen und der Newasind weiß und reinlich, als wäre alles aus Zucker gebacken. Die ganze Stadthat das zierlichste Gewand von der Farbe der Unschuld, und sämtliche Dächerblitzen von einer gleichmäßigen Lage schimmernden Kristallstaubes. AllesWasser gefriert, wie man es ausgießt, und die Brunnen, die Pferdetränken,die Schöpfanstalten, die Wasserfuhrleute und ihre Wagen, die Wäscherinnenan den Kanälen — alles erscheint weiß mit Eis inkrustiert. In den Straßenzeigt alles, um dem Tode zu entgehen, das regste Leben. Alles rennt undjagt so hastig, weil jedem der Sensenmann buchstäblich auf den Fersen sitzt.Der getretene Schnee knistert und heult die sonderbarsten Melodien, undselbst alle anderen Klänge und Laute nehmen in dieser kalten Atmosphäreanderen Ausdruck an, beständig zieht ein leises Rauschen oder ein säuselndesBrummen durch die Luft, das von all dem erklingenden Schnee und Eisekommt.
Die (Sommer-) Nächte sind gelind und wunderbar hell, und die Petersburger,die sich aus pomphaften Schlittenfahrten weniger machen als wir, weil derSchlitten bei ihnen mehr ein notwendiges Hausmöbel ist, als ein Luxusartikel,wie bei uns, schwelgen dann in der Lust des Gondelfahrens um so mehr, dasie ihnen nur kurze Zeit vergönnt ist. In den schönen warmen Monaten Juniund Juli sind die Newaarme Tag und Nacht mit segelnden und rudernden,großen und kleinen Schiffen und Gondeln übersät, die nicht rasten, beständigdie reizendsten Gemälde dem Auge darzustellen, und alles, was VenedigsKanäle mit ihren Gondeln Zauberisches haben mögen, ist unbedeutend imVergleich mit dem malerischen Leben, das sich hier in dem jetzt so gelindenNorden entfaltet. Man denke sich eine Atmosphäre, von den schmeichlerisch-sten Zephiren durchsäuselt, warm und mild, ohne daß die Pfeile des Apollolästig fallen, als wenn die Wärme von den entfernten Sternen käme, zauberischklar und hell, ohne daß doch die Quelle alles Lichtes über dem Horizontesichtbar, eine Nacht, in der sich nichts verbirgt und nichts schlummert, wederdie zwitschernden Vögel, noch die wachenden Menschen, noch die sichtbarenPflanzen, deren Farben nicht verbleichen, kurz, eine Nacht mit allen Reizender Nächte und doch mit aller Bequemlichkeit des Tages, als strahlte überallder helle frische Tag hinter dem übergehangenen prächtigen Gewände derNacht hervor, einen Strom, der sich spielend in eine Menge von Armen teiltund wieder zu großen Massen vereint, der sanft, klar und majestätisch fließt,dabei einen Archipelagus von Inseln, dessen eine Hälfte mit prachtvollenPalästen besternt, und die andere mit wundervollen Gärten, geschmackvollenPavillons und luxuriösen Einsiedeleien geschmückt ist, dann das große Meervor den Toren der Stadt und dicht bei jeder der sechs Mündungen der Flüsse.
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