den Vorzug zu geben, welche denselben als „Sandland" interpretiert, und wirprotestierten mit Eifer gegen die Meinung derjenigen, welche der alte liv-ländische Chronist zitiert, wenn er sagt: „Einige glauben, daß der NameLivland vom niedersächsischen „Blief", das heißt „bleibe" herkomme. Dennweil Livland, sagen sie, seiner Fruchtbarkeit halber den Fremdlingen, so hin-einkommen, so wohl gefallen, daß wenige Lust gehabt, wieder wegzuziehen,sei es gleich anfangs von den Deutschen „Bliefland" genannt worden. Andereaber sagen, daß Livland so viel sei als „Lewesland" das ist „liebes Land",da dies schöne, fruchtbare und gastfreie Land sich eine besondere Liebe beiden hierher Verschlagenen erwerbe". Es ist, als wenn sich dieser Weg geradedas ungenießbarste Stück von ganz Livland ausgesucht hätte. Die Ufer derDüna hat er im Rücken, das prächtige und überall interessante Meer läßt erzur Linken, und an dem livländischen Paradiese, der sogenannten livländischenSchweiz, führt er zur Rechten vorüber.
Was diese letztere Gegend betrifft, so nennt man so die Ufer und Anlande derAa in der Mitte ihres Laufes, die Umgegend der Stadt Wenden und der Ritter-güter Kremon, Treiden und Segewolde. Was uns die Dorpater Studenten vondieser Gegend erzählten, klang lieblich. Die Aalandschaft ist hier von Hügelnumgeben, die zum Teil mit Birken, zum Teil mit alten Eichen geschmücktsind. Die freundliche Stadt Wenden liegt in einer Weitung des Tales wie einlächelndes Kind in der Wiege. Der kleine Fluß Aa zieht sich wie ein silbernesBand am Saume der Hügel hin.
Bei Wenden sieht man auch noch heutigen Tages die Ruinen des alten be-rühmten Ordensschlosses, welches so lange, als der Schwertritterordenexistierte, der Hauptsitz desselben und die Residenz seines Meisters war,wie Marienburg in Preußen als Residenz des deutschen Hochmeisters dasselbefür den deutschen Orden vorstellte. Schon im Jahre 1207, kurze Zeit nachdemder Rigaische Bischof Albert „einigen Brüdern des Krieges Christi" einDrittel von Livland verliehen hatte, hieß Wenden, von den Letten „Zehs"genannt, das Hauptschloß des Ordens, dessen erste Meister Winhold von Rohr-bach und Volquin waren, „das Haus der heiligen Marie und ihrer Ordens-brüderschaft". Das Schloß war groß und in seiner Einrichtung dem vonMarienburg ähnlich. Es kamen hier die Gebietiger und Komture des Schwert-ritterordens zusammen, verhandelten alle wichtigen Angelegenheiten ihrerGesellschaften und wählten ihre Meister oder entsetzten sie. Der „berühmtesteund glückseligste" aller hier residierenden Heermeister, von den livländischenGeschichtsschreibern der Große genannt, der die Ordensprovinzen 40 Jahre langweise regierte und tapfer beschützte, ein deutscher Held, der die Russen zuwiederholten Malen schlug und dem Lande eine lange segensreiche Ruheverschaffte, Walther von Plettenberg, erbaute diejenigen großen Türme undMonumente, die wir bei Wenden noch heutigen Tages in Trümmern liegensehen.
Nach Plettenbergs Tode 1535 brach jene betrübte, in Livland so viele Trümmerschaffende Periode über das Land herein. Unzählige Male zogen die Russenmit großen Heerhaufen ins Land, zerstörten die Schlösser und Städte undverwüsteten die Gegend weit und breit im Jahre 1576 so schrecklich, daß man,
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